Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 24 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 378 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ZPKt*** ■ | — 378 — d sich fk ß ''' Tags darauf lernte Irma tanzen so wie noch manche andere Kunststücke,Me jjiu der That hatte sie viel Geschick dazu. Nur ihr die rechte Cuft beicv ^gen, zog man ihr eines der goldgestreisten Köckchen an und putzte sie illerlei Tand und Flitter aus. Das Tanzen, die neckischen Kleidchen und ^utzsachen gefielen Irma ^hl; aber ihr schauderte bei dem Gedanken, ihr Lebtag in dieser rußigen, mistigen Stube, bei diesen rohen, fremden Akenschen zu bleiben. \ IDie sehnte sie sich nach den: lieben, stillen Elternhanse, wo die Sonne schön durch die spiegelhellen Fenster schaut, wo alles so blank, nett und Kch ist. An der IDand hängt die Uhr mit dem immerwährenden Tik-tak, ^Irma so gern horchte; daneben sind die hübschen Bilder, die sie so lieb in der Ecke drüben steht das Tischchen mit ihrem Spielzeuge und ihren üchern, schöngeordnet, und o, auf dem reinlichen Stuhle neben dem Nähche, da sitzt inuner die Akutter, die liebe, mit dem guten, freundlichen esichte, und Irina, wenn sie aus der Schule gekonunen, hatte sonst ihre 'bien Anne um die UKitter geschlungen, sie geherzt und geküßt! Dann war ch der Vater hereingetreten; mit welcher Freude war sie ihm entgegen 'prungen, hatte sie ihn gestreichelt und geliebkost! Heiße Thränen quollen aus ihren Augen, wie sie das so dachte, un6 si'ard so weh, daß sie daran zu sterben meinte. — ' 'Die Alte merkte das wohl; darum hi.elt sie Tag und Nacht die iren verschlossen, damit Inna nicht einmal heimlich davon laufen möchte sie hatte inuner ihre Augen auf sie. Fünf Tage waren schon vorüber, seit Irma hierher gebracht wurde, da iah es, daß am frühen Ukorgen des sechsten Tages die Komödianten vgen, uni im nächsten Dorfe, wo Jahrmarkt war, ihre Künste für Geld igen. ^-Niemand blieb zurück, als zwei kleine Kinder nebst Irma und einem »rigen Kleidchen, Namens Etelka, das auf alles acht geben sollte. a.Dieser Etelka befahl die alte Zigeunerin, das fremde Ding, wie sie ty hieß, ja nicht entwischen zu lassen. „!Venn ich zurück komme und es Intreffe, so prügle ich dich mausetot," rief sie ihr zu. Zu Irma aber d^e im Fortgehen: „Das nächste Kkal, mein Süppchen, wenn du schon mehr ch. nehmen wir auch dich mit. Lerne nur brav." „CD," dachte das Kind, „sie meint noch, ich würde mich freuen, vor .uten zu tanzen, wie ein Zigeunermädchen!" si.Etelka spielte, 'als sie nun allein waren, mit den Kindern, kochte und 'ächtete Irma im Tanze. So kam der INittag. Nach dem Esten legte Kinder schlafen, setzte sich an die Bank und langweilte sich, plötzlich ^ie auf und sagte zu Inna: i Hier hast du einen Topf mit Federn, diese sollst du schleusten. Ich :tzt draußen zu thun; bis ich wieder hereinkomme, mußt du mit der bei ertig sein." eit diesem Befehl verließ Etelka die Stube. Irnra bemerkte, daß das ^en seinen Sonntagsrock aus der Truhe nahm, ihn versteckt hinaustrug icnm hinter sich die Stubenthüre abschloß. Das fiel Inna auf. „lVozu," $ sie, „braucht sie in dem kalten Vorhause den schönen Kock?" Sie ^r. noch das Kauschen von Kleidern, wie wenn man sich aus- und dann Härte sie auch die Hausthür leise auf- und wieder zumachen und *' \ von außen absperren.