Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 23 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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860 dnrta muhte täglich mit den anöern Kindern des Dorfes dahin gehen und kam auch gewöhnlich mit ihnen Zurück. Doch heute war sie länger als die anöern im Städtchen geblieben, weil sie daselbst für die Mutter einige Einkäufe Zu machen hatte. ^jrma kehrte also jetzt allein, doch wohlgemut Zurück. Sie hatte diesen weg schon unzählige Male gemacht; aber nie war er ihr so schön vorgekommen. Die Sonne glänzte vom blauen Himmel herab, und so weit man blickte, auf Feldern und Hügeln, auf Baum und Strauch schimmerte und blitzte frisch gefallener Schnee. „Sieht es nicht aus", dachte das Kind vergnügt, „als hätte die Erde eben ein fnukelueues weißes Kleid, mit lauter Edelsteinen besetzt, angeZogen! vielleicht hat es ihr der liebe Gott für heute abend Zum Lhanukafeste geschenkt. ^jch bekomme ja auch inuner ein Geschenk von Papa und Mama Zu diesem Kste." ^jrma's kleines HerZ hüpfte in der Brust vor Freude; denn für heute Abend stand ja der Beginn des schönen Tempelweih- oder Lhanuka- Festes bevor. Da wird der Vater das erste Lichtleiu anZünöen, morgen Zwei, übermorgen drei, und-so jeden Abend nur eines mehr während der achttägigen Dauer des Festes. Vater und Mutter singen dabei immer das schöne Ehauukalied und spielen mit ihr das Würfelspiel oder erzählen hübsche Geschuhten. während sie an all' diese Freuden dachte, die ihrer warteten, fiel ihr ein, ob sie auch alles besorgt habe, was ihr die Mutter aufgetrageu. Sie öffnete das Körbchen, worin sie ihre Einkäufe trug, und sah darin nach. Sie fand alles in Ordnung. Hier sind die frischen Semmeln, da das Backwerk für die Tante, wenn sie heute abend Zum Besuche kommen wird, und hier sind die Chanuka-KerZchen, die ^jrma für alle acht Abende eingekauft. Sie sind von wachs und in allerlei Farben, rot, grün und weiß. Die Mutter sagte, jede Farbe habe ihre Bedeutung. Die roten Lichtlein bedeuten die Freude, die grünen die Hoffnung und die weihen — ja da sagte sie: „So weich wie wachs, so weiß und rein, Soll Irma's Herzchen immer fein."