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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 23 (1895) · p. Seite 361

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
23 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 361 (sequence 5)
Language
German
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861 So gingen öer kleinen allerlei Gedanken kunterbunt durch den jungen Kopf. Dabei schritt sie flink vorwärts und achtete wenig darauf, daß ihr ein altes Weib in bäuerischer Tracht mit raschen Schritten folgte und sichtlich - bestrebt war, sie einzuholen. „Tin nettes Ding das", murmelte die Alte, auf ^rma blickend, „hat das ein Füßchen und trippelt damit so Zierlich, wie eine Bachstelze. So ein Dingelchen könnte ich brauchen für meine Bande; das könnte man abrichten Zum Tanzen vor den Leuten, daß das Geld nur so hineiuspringen möchte in ineinen Beutel. Aluß nur sehen, ob ihr Gesicht auch so bildsauber ist, wie ihr Figürchen." Tin Schwarm Krähen kam geflogen, rauschte mit den schwarzen Flügeln durch die Luft und ließ sich auf das weiße Feld nieder. ^>rma hatte ihre Freude daran. Sie blieb stehen und sah dem Treiben öer großen, schwarzen Vögel Zu, wie sie in den Schnee mit ihren dicken, gebogenen Schnäbeln hackten, dann aufflogen, um einige Schritte weiter sich wieder nieöerzulassen, und darauf dies Spiel von neuem wiederholten. Mt kam auch das alte Weib herbei. Sie grüßte freundlich und knüpfte mit der Kleinen ein Gespräch an. Als diese ihren weg wieder fortsetzte, blieb das Weib an ihrer Seite und erzählte ihr von dem Leben dieser und anderer Vögel, von den Wäldern, worin sie wohnen, und noch anderes. Jrttia erkannte zwar nicht aus der Tracht, doch aus dem Gesichte öer Alten, daß dieselbe eine Zigeunerin sei. Sie hatte jedoch keine Furcht vor ihr; denn in Ungarn giebt es Zigeuner, welche, wie andere Bauern, Haus- und Hof und Felder haben. Auch in ^jrma's Dorfe wohnten solche unö V thaten dort niemand was zu Leide. Diese aber war eine listige und böse Zigeunerin, die nur deshalb Jrma allerlei lustige und hübsche Geschichten erzählte, um sie für sich einzunehmen und ihr vertrauen einzuflößen. Sie hatte dabei die Absicht, das arglose Mädchen von seinem Wege abzubringen und mit sich heimznführen. Sie fragte darum, wo Mna zu Hause sei, und als ihr diese das Dorf nannte, spiegelte ihr sogleich das lügnerische Weib vor, daß es auch dort wohne, und daß sie also miteinander gehen könnten. Aach einer weile sagte die Alte verschmitzt: „weißt Du mein Pttppchen, daß wir heute nicht auf dein gewöhnlichen Wege nach Hausgehen können?"

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