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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 22 (1895) · p. Seite 347

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
22 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 347 (sequence 7)
Language
German
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Dr. Joel Müller, gestorben am \3. November 1895. Wer von euch, liebe Kinder, hat nicht mit Interesse den Aufsatz im „Israel. Jugendfreund" (No. 6) gelesen: „Wie ich die Sprüche Salomo's lernte"? DerdiesenAufsatz geschrieben,Fr.IoelUKillerweiltnichtmehrunteruns.Deredle freund und Förderer aller guten Bestrebungen hat seine edle Seele ausgehaucht. Auch unser Blatt beklagt den Tod eines warmherzigen freundes und Mitarbeiters, der trotz seines hohen Alters und trotz angestrengter Thätigkeit im Berufe dennoch Zeit und Uluße fand, einem Blatte, das der Ausbildung der jüdischen Kinder bestinunt ist, sein Interesse zuzuwenden. Tin wie begeisterter Anhänger unseres Blattes er stets war, geht aus seinem Schreiben an mich und daraus hervor, daß er einmal, als infolge einer fehlerhaften Adresse das Blatt nicht rechtzeitig in seine Hände kam, er sich die Zusendung sofort schriftlich erbat. Tr, der große Gelehrte, der vielbeschäftigte Lehrer und Forscher fand Gefallen an einer Zeitschrift für Kinder. Wie manches größere Kind denkt bei sich: „Ach, für eine Kinderzeitung bin ich doch schon zu groß, was soll ich aus einer solchen wohl lernen!" Tine solche Gesinnung führt leicht zur Ueberhebung und ist geeignet, das kindlich-reine Gemüt zu trüben. „Wohl denn, der ohne Schuld und hechle Bewahrt die kindlich-reine Seele." Tine solche kindlich-reine Seele hat sich Er. Joel Müller zu erhalten gewußt, und das ist es, was ihm die schwereil Kämpfe des Gebens, die auch ihm nicht erspart blieben, vergessen machte, und was ihn mit Freude am Leben und Schaffen erfüllte. Die Bildung seines Gemütes verdankt er, wie wir aus denn bereits erwähnten Aufsatze ersehen, seiner Umtter, die ihm eine religiöse Trziehung angedeihen ließ und sein Herz zur Liebe und Freude am Guten und zur Scheu vor dem Bösen lenkte. Kein war sein Fühlen, Denken und handeln, und wer das Glück hatte, m seiner Umgebung zu weilen, der empfand den wohlthuenden hauch dieser Aeinheit. Noch mehr durch sein edles Beispiel als durch seine von tiefem Wissen und großer Begeisterung zeugenden Lehren wirkte er seit 188^ segensreich als Lehrer an der „Lehranstalt für Wissenschaft des Iudentwns" und als Lehrer und Prediger an dem Baruch Auerbach'fchen Waisenhause in Berlin. Sowohl durch seine Berufsthätigkeit, als auch durch seine wissentschaftlichen Werke, die für die Trforscher der Bibel und des Tabnud einen bleibenden Wert haben, hat er sich ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Auch wir wollen ihm ein dankbares Gedächtnis bewahren. Friede seinem Andenken! E. F.

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