Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 22 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 346 — Aönig ungeduldig: „Bete, Priester, dein Gott braucht sich dieser Tafel nicht zu schämen. Bete, bete!- Hui: gab der Aönig das Zeichen zun: Beginn des Wahles. Berückende Alänge ertönten, und brausender Jubel brach allenthalben los. Boll Spannung harrte ein jeglicher der Dinge, die nun kommen sollten. Der Hohepriester betete!- Der Aönig schaute erwartungsvoll auf ihn nieder! — — Aein Laut kam über die Lippen des Betenden. Der Sonne Strahlen hatten einen weithin schimmernden Aranz um das ehrwürdige Haupt des Greises gewoben, und der Aönig war plötzlich ernster geworden. Lautlose Stille herrschte rings umher; das bisher leise Fächeln der lauen Lüste hatte sich verstärkt. Gin unheimliches Bauschen ging durch den nahen Palmenm Hain. Dann wirbelte es jäh auf; mächtige, dichte Staubwolken erfüllten die Luft, legten sich wie ein Schleier um das Auge, und plötzlich hatte ein gewaltiger Windstoß alle Achtbarkeiten nebst Tischen und Stühlen ins nahe Aleer getrieben, das sie gierig auf innner verschlang. Als die Staubwolke sich verzogen hatte, da schweifte des Aönigs Blick nur noch über eine öde, leere Stätte! — — Lin heftiges Zittern erfaßte den mächtigen Herrscher auf dem Throne, und schreckensbleich rief er den: Priester zu: „Was bedeutet dieses?" Basch erhob sich der Greis, und ernsten Tones sprach er: „Weißt du denn nicht, daß mein Gott jetzt nahen will? Lr will deiner Linladung Folge leisten! Eben erscheint sein Diener, der ihn meldet, es ist der Sturm, der vor seinen: nahenden allmächtigen Gotte und Herrn Baum schaffen will!" Da ergriff den Aönig Entsetzen, und blassen Antlitzes erhob er sich, um eiligst von seinem Thronsitze herabzusteigen, denn er fürchtete, daß auch er mit seinem Throne von den: innner stärker gewordenen Orkane erfaßt und ins Weer geschleudert werden könnte. Den: Priester aber rief er eiligst zu: „Wag dein Gott bleiben, wo er ist! Ist schon die Allmacht seines Dieners so groß und furchterweckend, wie groß und erhaben muß er selbst sein!" Der Priester aber verharrte noch in inbrünstigen: Gebete, das in einen: Danke ausklang dafür, daß der Herr, der Hüter Israels, abermals so wunderbar sein Volk gerettet, und den: Heiden seine Allmacht gekündet hatte! —