Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 22 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 344 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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344 Der Hohepriester war sehr erfreut über die Gnade des Aönigs nnd begann alsbald in beredten Worten von der Größe und Allmacht des ewigen Weltschöpfers zu erzählen. Glühende Begeisterung sprach aus seiner eindringlichen Aede, und nüt sichtlicher Spannung lauschte der Aönig seinen Worten. Der Hohepriester hatte längst geendet und harrte in Ehrfurcht der Anrede des Aönigs, der sinnend aus ihn hernieder schaute. Endlich brach dieser die tiefe Stille, und mit einem leichten Lächeln begann er also zu sprechen: „Wahrlich, eures Gottes Allmacht und Größe ist unermeßlich. Warum aber hat er sein Volk durch mich besiegen lassen? Ich glaube, daß auch meine Wacht nicht gering angeschlagen werden darf, und daß auch ich verdiene, gleichfalls geehrt zu werden. Wöge daher dein Gott auch mir Ehre geben. Ich will ein großes Festmahl veranstalten und ich lade ihn zu demselben ein. Wie kein Sterblicher sich unterfangen würde, einer solchen von mir an ihn ergangenen Einladung nicht Folge zu leisten, so wird wohl auch dein Gott es nicht unterlassen, dieser meiner Einladung zu folgen. Sorge darum dafür, daß ich am Tage des Festmahles deinen Gott nicht vergebens erwarte. —" Als der Hohepriester diese vermessenen Worte des stolzen Aönigs vernommen hatte, überfiel ihn An^st und Schrecken, denn es war doch unmöglich, daß der Befehl des Aönigs befolgt werde. Wie konnte der unkörperliche und unsichtbare Gott an dem Festmahle eines Sterblichen' teilnehmen? Der Hohepriester versuchte zitternd den Aönig von der Unmöglichkeit dessen, was er von ihm forderte, zu überzeugen. Aber streng sprach der Herrscher: „Erspare dir jedes weitere Wort und sorge nur dafür, daß 6ciu Gott bei meinem Festmahle nicht fehle! Diele deines Volkes hat schon mein siegreiches Schwert dahingerafft, viele sind aber auch von mir verschont worden, und ich habe es ihnen gestattet, ihrem Gotte in bisheriger Weise zu dienen. Bete darum zn diesem Gotte, daß er es nicht verschmähe, mir die Ehre seines Erscheinens zu geben. Sonst fürchtet meinen Zorn, du und dein Volk, ich vernichte euch samt eurem Tempel, in welchem ihr diesem Gotte dienet!" Als der Hohepriester diese Drohworte vernommen hatte, wagte er nicht, weiter zum Uönige zu sprechen, und so hoffnungsfreudig er vor wenigen Augenblicken vor den heidnischen Tyrannen getreten war, so verzagt und zerknirscht verließ er ihn jetzt. Furcht und Graueil hatten ihn ergriffen, und wie ein Todesurteil erschienen die Worte des Aönigs, mit welchen er nunv.