Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 21 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 8)
- Language
- German
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332 zum Bau einer Synagoge in Aai-fong-fu, einer größeren Stadt der Provinz Honan, die ebenfalls am hoangho, und zwar dicht vor dem Bcündungsknie liegt, erhielten sie erst in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts. Der Tempel der „IBahrheit und Aeiilheit" verbrannte zwar um die IVende des sechszehnten Jahrhunderts, scheint aber doch wenigstens zmn Teil wieder aufgebaut worden zu sein, denn der Jesuitenpater Gozoni liefert uns eine Beschreibung desselben in einem Briese aus dem Jahre J70^. Danach liegt ihr Gotteshaus (li-pai-sso) nach Diesten, also Jerusalem zu, an welches auch die Bauart erinnert, und zerfällt in drei Teile. In dem Buttelrauin besindet sich der Bcosesstuhl, sowie Aäucherpsannen für Abraham, Isaac, Jacob und die zwölf Geschlechter. Das Allerheiligste heißt Himmels-Halle lchon-t^ang). Au beiden Seiten liegt je ein Betsaal, in denen morgens, mittags und abends Andacht abgehalten wird. Die vielen Bewegungen beim Beteil nach alleil Dichtungen hiil, sowie viele andere Gebräuche weiseil daraus hin, daß die Iudeii einige chinesische Eigentümlichkeiten in ihren Aultus aufgeiloiiliileil haben. So tragen die Rabbiner beinr Gottesdienst eure gelbe Btt'itze, über welche ein Tempeldiener einen roten Schirm ausgespannt hält. Ebenso feiern sie zwar sowohl 6en Sabbat als auch Öen Bersöhnungstag streng, beim Passah jedoch zeigt sich eine Berauschung mit dem chinesischen Fest der Frühlingsnachtgleiche. Mährend aber die Thineseil bei dieser Gelegenheit Schafe und Ochseil opseril, scheiilt es, als ob sich uilsere Glaubeilsgeilosseil dabei mit Öen Früchten der Jahreszeit begnügeil. Bor allen Diilgeil aber halten sie das Gebot, Bater unö Blutter zu ehren, welches in Thina bekailntlich die Gruildlage des gaiizeil Staatslebeils bildet, heilig. Dahingegeil müffen die jüdischen Bkaildarineil, aus deren Zahl uils der provinzialbemilte Tchou-fu-tnlg-wailg genannt wird, ebenso wie alle übrigen chiilesischeil Staatsbeanlten, die üblicheil Ahileiltäfelcheil aufstellen und verehreil. Desgleicheil bringen sie öem chiilesischeil Natio,lalheiligen Tonfucius zu Ehreil in deffeil Teiilpel Tieropfer dar, jedoch, wie ausdrücklich bemerft wird, kein Schweinefleisch. Was die heilige Schrift betrifft, so ist, feitöem die pergamentrollen des Pentateuch gegeil die Butte des siebzehnten Jahrhunderts, wie scholl zweihundert Jahre früher, durch Wasserfluten beschädigt worden wareil, dieser „große Aailoil" (ta-king) auf chinesisches Papier geschriebeil worden. Bebrigens ist die Aenntnis der hebräischen Sprache bei ihnen nur noch sehr gering. Das alte Testameilt zerfällt nach perfischeiil Bluster in 55 Bände (küän). Darmlter besinden sich die Psalmen und die beiden Bücher der Blakkabäer. In großen Ehreil steht uilter ihnen Esther, der sie den Beinamen „große Buitter" gebeil. Bor allem fiel es öem Jesuitenpaters auf, daß die Stelle in öem bereits oben angeführten Propheten, welche die Berheißung des Blessias enthält (Jes. 7, yt), verstümmelt war.