Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 21 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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333 3m Jahre 1857 wurde die jüdische Kolonie in Kai-fong in Folge einer Gxdedition der mächtigen Taiping-Rebellen auseinander gesprengt. Hierdurch , sind unsere Glaubensgenossen, nachdem sie sich vorher in Anbetracht der Fruchtbarkeit der hoangho-Gbene eines ziemlichen Wohlstandes erfreut hatten, jetzt ganz verarmt und wurden von Dr. Dlartin vor ungefähr dreißig Jahren nur noch in einer Anzahl von 500—'100 in jener Stadt angetroffen. Gordier hat zwei oder drei Juden in Shangai gekannt, von denen der eine sein Scbneider war. Awei lltark. von M. Simon-^olen. Gin so vergnügtes Gesicht, wie Rudolf heute machte, hatte nun: lange an ihm nicht gesehen. Gr kan: sich so ruhig und glücklich vor wie ein König, ja beinahe wie der Kaiser, der morgen im Städtchen erwartet wurde, und den alle Schulkinder begrüßen sollten mit Gesang und Hurrahruf. Zwar „alle Schulkinder" konnte man nicht mit Bestimmtheit sagen, der Herr Rektor hatte nur angekündigt, daß alle, die ganze Kleider anzuziehen hatten, sich in der schule versannneln dürfen, um den geliebten Landesvater bis zum Bahnhof entgegenzuziehen. Das war nun für Rudolf keine Frage, denn er hatte innner gute Kleider an. Seine Gltern waren wohlhabend und ließen ihren Sohn an nichts Diangel leiden; ja, sie gaben ihm oft noch mehr, als er brauchte, wie z. B. heut, wo die Dlutter ihm zwei D lark geschenkt hatte, damit er auf den Dlarkt gehen konnte, der in den Straßen abgehalten wurde, und entweder sich etwas ' kaufen oder in die Alenagerie oder Schießbude gehe. Deshalb sah er so vergnügt aus und hielt sein Geldstück fest in der Hand, noch immer überlegend, wie er es ausgeben und verwenden sollte. An der Ecke des Georgcnplatzes, da wo die aufgeschlagenen Buden ihren Anfang nähme,:, begegnete den: Knaben einer seiner Schulkameraden, Willy, der Sohn einer Wittwe, die sich und ihren Sohn nur künnnerlich ernähren konnte. A)illy war aber trotz seiner Annut, trotz des sehr geflickten, ausgewachsenen Bockes, den er trug, innner vergnügt. Umsomehr wunderte es Rudolf, ihn heute so niedergeschlagen über die Straße schleichen zu sehen. Sein gutes Herz regte sich sofort. „Gewiß hat der arme Willy keinen Pfennig Ularktgeld bekonnnen und n:öchte auch gerne in die Ulenagerie. 3ch werde für ihn und für mich bezahlen, dann behalte ich doch noch genug, un: n:ir Knallerbsen und Pfeffernüsse zu kaufen," dachte er bei sich selbst und lud freundlich den Knaben ein, mit ihn: in die Bude zu treten. Willy schüttelte den Kopf. Erst jetzt sah sein Kamerad, daß Thränen in seinen Auge:;