Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 20 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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312 „Weiße Sklaven? Haben Sie denn auch solche?" — fragte Heb mit scheinbarer Unbefangenheit. „Jawohl. Zch besitze deren drei. Es sind sehr geschickte Arbeiter, die sich mit der Anfertigung nützlicher Dinge beschäftigen." „Mas find dies für Dinge?" fragte Heb neugierig. „Rommen Sie, und überzeugen Sie sich selbst," erwiderte jener und schritt aus das Türmchen zu, vor dessen Thür ein bewaffneter Araber Wache hielt. An diesem vorüberschreitend, öffnete Elim eine niedrige schwere Thür, und bald befand er sich mit Heb in einem ziemlich geräumigen Zimmer, das sein Licht von oben aus einer Ruppel empfing. Hatten die Worte Elims die Vermutung unseres Heb schon bestätigt, so hatte dieser jetzt Gelegenheit, sich die vollste Ueberzeugung zu verschaffen. Hier saßen sie, die drei Unglücklichen, bei ihrer Arbeit. Einer schnitzte Holzrahmen, der zweite hatte Stahlringe vor sich, aus denen er wohl eine Rette bilden sollte, und der dritte war mit der Ausbesserung einer alten Wanduhr beschäftigt. Als die eiserne Thür sich knarrend aufthat, blickten die drei Gefangenen von ihrer Arbeit aus, so daß Heb jedem ins Gesicht zu sehen vermochte. Sein Blick blieb an dem Uhrmacher hasten, dessen Züge viel Ähnlichkeit mit denen seines Herrn hatten. Und je mehr er ihn betrachtete, desto zuverlässiger glaubte er, den Bruder seines Herrn in ihm gesunden zu haben. Rlopfenden Herzens betrachtete er nocb die Gegenstände, die Elim aus einem Spinde nahm, und die künstlerische Eingravierungen auswiesen, wie Heb solche in der Ulessingplatte Zuleika's gesehen hatte. Aus seine Frage, wer der Verfertiger dieser Schmuckgegenstände sei, zeigte der Abessinier mit einem gewissen Stolz aus den Uhrmacher. Als Heb auch noch erfuhr, daß dieser ein Deutscher sei, war auch der letzte Best des Zweifels geschwunden. „Za er ist es", so jubelte es in seinem Herzen. Aber er bemühte sich, seine freudige Erregung zu unterdrücken. Ach wenn er den Unglücklichen doch mit sich nehmen und seinem Herrn zuführen könnte! Oder wenn er doch wenigstens deni besorgten Bruder hätte zurusen können: „Hier ist er, er lebt!" Es preßte dem treuen Diener das Herz zusammen, und er war froh, als er bald daraus wieder im Freien war. Heb hatte erreicht, was er wollte, und beschloß daher, baldmöglichst nach Tumassie zurückzukehren. Ulit dem Versprechen, in Gemeinschaft mit andern Elfenbeinhändlern in einiger Zeit wiederzukommen, verabschiedete Heb sich kurz von dem gastfreundlichen Abessinier. Wie unendlich lang kam dem Ali Heb die Rückreise vor, trotzdem sie glücklich von statten ging! Er wollte ja so gern seinem Herrn schon Mitteilung von seinem Erfolg machen! Und wie sehnsüchtig er daheim erwartet wurde, werdet ihr, liebe Leser, gewiß selbst empfinden. Aber die Freude über Hebs Nachrichten machte bei ruhiger Überlegung der Sorge Platz, wie die Befreiung zu bewerkstelligen sei, da diese mit großen Gefahren nnd Schwierigkeiten verbunden war, dies umsomehr, als man beschlossen hatte, alle drei weiße Skaven zu befreien. Jede Verzögerung konnte für die Ausführung des Rettungsplanes verhängnisvoll werden. .Deshalb meisten Rodenhein, Lindenberg und Heb, mit Geld und Waffen reichlich versehen, so schnell als möglich nach der Sklavenküste und zwar nach der Stadt Lagos, dem Wohnorte Elim Zuffufs, ab. Dort angekommen, wurde, um nicht irgend welchen Verdacht zu erwecken, bei einem Araber außerhalb der Stadt Wohnung genommen. Heb hatte bald erkannt, daß dieser Araber bei der Ausführung ihres gefahrvollen