Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 19 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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300 - im Zimmer umher und rief mit der Freude, welcher jeder Neugierige bei Befriedigung seiner wißbegierde empfindet: „Ich hab's, ich hab's — in dem kleinen Buche des Herrn Rodenhein stehts. Gewiß, ich überzeuge mich noch davon." Der fonft ehrliche heb hatte nämlich einmal beim Reinigen der Aleidungsftücke feines Herrn dessen Notizbuch eingesehen und aus der ersten Leite eine dem Arabischer ähnliche Schrift gesunden. Ropffchüttelnd betrachtete er damals die Schriftzüge; da er sie aber nicht enträtseln konnte, schenkte er ihr keine weitere Beachtung. Erst jetzt bei dem Anblick der Rkessingplatte der Zuleika tauchte nach einigem Nachdenken die Erinnerung an jene eigentümliche Schrift in ihm aus, und darüber freute er sich wie ein Aind. Bei der nächsten Aleiderreinigung verschaffte sich heb volle Gewißheit darüber. Nachdem er lange darüber vergebens nachgedacht, welche Verbindung wohl zwischen dem kleinen Buche und der Nkessingplatte bestehe, beschloß er, seinem Herrn Rutteilung davon zu machen; vielleicht hatte dieser ein Interesse daran, dachte er. Gr mußte dabei freilich seinen Herrn bekennen, daß er das Buch in Händen gehabt, daß er darin geblättert, — aber war es denn so sündhaft, ein wenig neugierig zu sein? Rodenhein nahm die Rtttteilung hebs mit Verwunderung auf, zweifelte aber an der Übereinstimmung der Schriftzeichen in seinem Notizbuche und denen aus der Rkessingplatte. Gr wünschte daher die Platte zu sehen. Das machte sich anfangs schwer, aber endlich hatte doch heb das Negermädchen zu überreden gewußt, ihm die Platte auf kurze Zeit zu überlaffen, die er sofort seinem Herrn überbrachte. Raum hatte Rodenhein einen Blick aus den blinkenden INetallschrnuck geworfen, als er vor Stauneil fast sprachlos wurde. Auf der Platte schaute er höchst geschickt eingraviert und von Verzierungen umgeben die Grabschristen seiner Eltern, wie er sie selbst in seinem Notizbuche trug, und wie sie einst sein Bruder Selmar in das feinige geschrieben hatte. Diese Eingraviernng konnte infolgedessen nur von Selmar geschehen sein. Aber wo war dieser? Jedenfalls fand hier ein höchst wunderbares Spiel des Zufalls statt. heb betrachtete aufmerksam die Rttenenäußerung seines Herrn und fand viel Vergnügen daran. Dieser nmßte höchst wichtiges an der Platte entdeckt haben, heb wollte eben der ihn plagenden Neugierde Ausdruck geben und seinen Herrn befragen, was er denn eigentlich so wunderbares an der Platte gefunden habe, als Lindenberg eintrat. „hören Sie, Lindenberg!" rief ihm Rodenhein entgegen — „hören Sie, welche Entdeckung ich eben hier gemacht habe, ja, staunen Sie selbst über die Art und weise, wie ein Zeichen mir in die Hände gekommen ist, daß mein Bruder lebt, noch mehr, daß er in diesem Lande sich befindet." Simon Rodenhein machte seinem Freunde mit dem bekannt, was er aus der Platte, die ifym heb gebracht, ersehen. Dann sprach er: „Überzeugen Sie sich selbst, Lindenberg, daß diese Schriftlichen zum Verwechseln ähnlich sind." Dabei schlug er sein Notizbuch aus und legte es neben die Platte. — Mbwohl Lindenberg das hebräische nicht kannte, so nahm er doch die völlige Übereinstimmig der Zeichen wahr^ „Diese Eingravierung könnte also nur die Arbeit ihres Bruders sein, — merkwürdig, höchst merkwürdig!" — sagte er, die Schrift in der Platte fortwährend betrachtend. „Begreifen: Sie ,Lindenberg, die Aufgabe, die uns aus dieser Entdeckung erwächst?"