Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 19 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 299 berg seinem Vater geschrieben, ohne jedoch irgend eine^Antwort zu erhalten, was die Beiden mit Besorgnis erfüllte. Eines Tages^wurde Lindenberg auf das Konsulat beschieden, wo man ihn: ein Schreiben überreichte, das^aus han:burg für ihn eingegangen war. Groß war die Freude der beiden jungen Männer, als der alte Lindenberg in demselben nicht blos seinen: Sohne Kunde von seinem Wohlergehen gab, sondern ihn: auch die Mitteilung n:achte, daß der Bruder Sin:ons sich bereits auf den: Wege zu ihnen befände. Zwar hatte Sin:on in j?niel hinterlassen, daß n:an ihn: Briese, die für ihn eingingen, nach einen: später noch von ihn: zu bestimmenden Ort schicken solle. Allein zwei Jahre waren inzwischen verflossen, ohne daß für ihn etwas eingegangen war. wie sollte Sebnar aber ihren jetzigen Aufenthaltsort wissen? Bei seiner Abreise aus Hamburg wußte er noch nicht, daß sie ihren Wohnsitz in j?niel verlassen und nach Lumassie übergesiedelt seien. Diese Sorge erfüllte Sin:on. Bei der Unzuverlässigkeit des j?ostverkehrs war zu fürchten, daß Selmar bei seiner Ankunft in pniel, woselbst er seinen Bruder wohnhaft glaubte, keine Kenntnis über dessen jetzigen Aufenthalt erlangen würde. Mittlerweile hatten sich unsere Freunde in die neuen Verhältnisse eingelebt. Das Leben in Lumassie gestaltete sich für sie recht angenehn:. Ls hatten sich einige Deutsche zusammengefunden, die unter sich einen geselligen Verkehr unterhielten. Lines Tages brachte Ali heb eine außerordentliche Neuigkeit mit nach Hause. Lr war drüben bei Iussuf Reid, den: bereits erwähnten abessinischen Kausinann, gewesen, und da habe ihn: Zuleika erzählt, daß Soliman Susad bei seiner letzten Anwesenheit in Lumassie 5 weiße Sklaven an ihren Herrn verhandelt habe. Dieselben blieben nur einige Tage bei ihnen, dann wurden sie weiter befördert. Dieses alles teilte Zuleika den: Ali heb als unveräußerliches Geheimnis mit. Mit weißen Sklaven wurde Handel getrieben; — das wußte man in Lumassie wohl; aber dieses unsaubere Geschäft trat niemals so sehr in die wenig von ihnen, versprach aber von Zuleika mehr über sie zu erforschen. So oft Soliman nach Lumassie kan: und mit den: abessinischen Kausinann Geschäfte abschloß, pflegte er den Negermädchen kleine Geschenke zu machen: Glasperlen, haarketten, kleine n:essingne Platten, worauf Blumen oder Tiere künstlich gestochen waren. Dieses alles bekan: heb zu sehen. Linst erblickte er an den: halse Zuleikas eine kleine, runde blinkende Messingplatte, die er noch niemals bei ihr gesehen hatte. Lr betrachtete sie genauer. Die Lingravierung in dieser Platte war besonders schön. Der Rand derselben zierte ein wunderschönes Blumengewinde, .aber sonderbarer Weise befanden sich in der Witte derselben, wie es sonst zu geschehen pflegte, weder Blmnen noch Tiere, sondern eine Art Schrift, wie Buchstaben gesonnte Zeichen, welche dem jungen Kaffer nicht ganz unbekannt zu sein schienen. Lr hatte diese Zeichen schon gesehen, ganz gewiß — aber wo? Lr versank sogleich in tiefes Bachdenken. Aber da ihn Zuleika störte, so konnte er erst wieder'zu Hause sein Nachgrübeln fortsetzen. Alle Begebenheiten, die ihn an diese merkwürdigen Schriftzeichen erinnern könnten, ließ er an seinen: Geiste vorüberziehen, plötzlich sprang er von feinem Sitze auf, tanzte