Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 18 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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285 Öen Füßen des Betenden. Dieser hielt das Buch unwillkürlich wie einen Schild vor sich und glaubte nicht anders, als daß man ihm, um ihn zu verderben, einen menschlichen Leichnam ins Haus geworfen habe. Er glaubte in demselben Augenblick ein vielstimmiges höllisches Gelächter zu hören. Als er aufzublicken wagte, sah er eineu toten Affen vor sich, vermutete aber in demselben nicht ein Der, sondern einen halbwilden wenschen, und fürchtete nun, daß die Häscher in seine armselige Wohnung eindringen würden, um ihn als wörder zu bestrafen. — Der dumpfe Fall war auch im Nebenzimmer gehört worden; das ängstlich erschreckte Weib hatte die Thür mit Gewalt aufgerissen und war nahe daran, beim Anblick des auf dem Boden liegenden Tieres in Ohnmacht zu fallen; doch die Freude, ihren Gatten noch am Leben zu sehen, war stärker als die Furcht, und sie fragte, was vorgefallen sei. Nachdem der wann ihr alles erzählt hatte, rief sie: „Das ist eine List, um uns zu verderben." „bei ruhig, liebes Weib, Gott wird schon helfen," rief warkus im Tone unerschüttlichen Gottvertrauens. — Tiefe Stille herrschte für einige Augenblicke in den: Aämmerchen nur von schmerzlichem beuszen der Frau unterbrochen. „wir wollen das Scheusal beseitigen, ehe die Rinder etwas erfahren; sie könnten uns sonst durch ihr unschuldiges Geplauder viele Unannehmlichkeiten bereiten." wit diesen Worten versuchte Ularkus den Affen vom Fußboden aufzunehmen; da rollte plötzlich ein Geldstück auf die Diele. Durch die heftige Bewegung des Anfassens war es den: Wunde des Tieres entfallen. Staunend betrachtetes! die Armen den Schatz. Da öffnete sich die Thür, und der reiche wann, der warkus so oft aus der Not geholfen hatte, trat herein. „Gott hat Dein Vertrauen nicht zu schänden gemacht, mein lieber Freund," rief er in herzlichen: Töne aus, dem Handelsmann die Hand fchütteld, „vor einigen winuten hat mit' mein Diener gestanden, daß er den Affen in Deine Aammer geworfen hat, aus Furcht, ich könnte ihn wegen seiner Nachlässigkeit aus dem Dienste jagen. Er hat nämlich vergessen, die Geldschublade meines Sekretärs zu schließen. Das Tier, das stets die blinkenden Goldstücke mit Freude betrachtete, hat die Gelegenheit schnell benutzt, zwei derselben ergriffen und sie verschluckt, als der Diener, der es gewahrte nach dem Stocke griff, um die Wiedergabe des Geldes zu erlangeil. Bei der nun beginnenden U»agd erstickte der Affe plötzlich. Um mich glauben zu machen, daß das Tier entlaufen sei, hat er sich desselben auf die Dir bekannte weise entledigt. — Wein Diener versteht aber das Lügen so schlecht, daß es gar nicht lange dauerte, bis ich die Wahrheit erfuhr. — wie ich sehe, habt ihr bereits ein Goldstück gefunden, laßt uns einnlal sehen, wo das andere steckt. Bitte, liebe Frau, bringen Sie schnell ein Ulesser," nüt diesen Worten wandte er sich an das verdutzt dastehende Weib. Die Frau brachte eilends das Gewünschte herbei, und wicklich fand sich noch ein Goldstück in den: wagen des toten Tieres. „Noch nie ist mir die Wahrheit des Wortes: wer auf Gott vertraut, hat wohl gebaut, — so klar geworden wie heute! Nehmet das Geld, jhr lieben Leute; noch ist es nicht zu