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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 18 (1895) · p. Seite 284

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
18 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 284 (sequence 10)
Language
German
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284 Gott hat geholfen. Vor mehr als fOO Jahren lebte in einer Mittelstadt Deutschlands ein armer UTaim, namens Markus, der sich und die Seinen redlich durch den Handel mit alten Kleidern ernährte. Oft herrschte bittere Not in der engen, düsteren Wohnung; mit unerschüttlichem Vertrauen harrte aber der Arme der Hilfe des Herrn und tröstete sein Weib, das ihn oft wegen seines geduldigen Ausharrens schalt, mit den Worten: „Gott wird schon Helsen." Und wirklich hals auch dieser stets, so daß die arme Familie wenigstens einmal in der Woche ihres Glends vergessen kotmte. — Markus hatte einst einen Rock von einem reichen Mann gekauft und in den: Futter desselben ein Geldstück gesunden. Der Handelsmann brachte das Geld seinen: Eigentümer wieder, obgleich er es gerade jetzt mehr als je hätte gebrauchen können, da zwei feiner Ainder heftig erkrankt wäre::. Der Reiche nahm das Geld, ließ sich aber die Lage des Ularkus ausführlich schildern und wurde, da er sich durch genaue Erkundigung von der Wahrheit des Gesagten überzeugt hatte, ein warmherziger Gönner des armen Ularkus. Gr erkundigte sich an jeden: Freitag bei demselben nach den: Verdienst der Woche und gab ihn:, wenn das Geld nicht ausreichte, un: den Sabbath festlich begehen zu können, stets das Fehlende. Gin Gleiches geschah an den andern Feiertagen. Nur das Gine verdroß den wohlhabenden Mann, daß Markus, trotzden: er seinen: Gönner gegenüber bescheiden und zuvorkonnnend war, doch die Gabe mehr als eine ihn: von Gott gewährte ansah. Fragte der Herr zufällig Markus nach Schluß des Feiertags, wie dieser verlaufen sei, so wurde ihn: die Antwort zu teil: „Gott hat geholfen." — Dieser scheinbare Undank verdroß den wohlthäter. Als daher Ularkus vor Beginn des passahfestes wieder vor seinen: Gönner erschien und von ihn: das zur Feier notwendige Geld zu erhalten hoffte, antwortete ihn: dieser: „Zch bin in diesen: leider außer Stande, Dir etwas zu geben, da ich in letzter Zeit geschäftliche Verluste erlitten habe; doch tröste Dich, Gott wird schon Helsen". — Das war ein harter Schlag für Markus, aber fein Gottvertrauen verließ ihn nicht. Mit betrübten: Herzen kan: er abends ernu'idet nach Hause, sein Weib und die Kinder, die ihn schon mit Sehnsucht erwartet hatten, kan:en ihn mit hastigen Fragen entgegen: „wieviel hast Du in diesen: Jahre bekonnuen?" „Leider nichts", mit diesen Worten warf er seinen Packen mißmutig in die Gcke und schickte sich an, sein Abendgebet zu verrichten. Die in ihrer Hoffnung so arg getäuschte Frau ließ ihm aber keine Ruhe; sie stöhnte und klagte fortwährend: „was sollen wir an: passahfest beginnen, wovon soll ich Fisch nnd Fleisch für die Feiertage besorge,:?" Markus zog sich in seine kleine Kammer zurück vertiefte sich in die Bibel, aus ihr Trost zu schöpfen. — Da ward plötzlich das kleine Fenster aufgenssen, daß die Scheiben klirrten, eine scheußliche Gestalt flog durch dasselbe in die Kammer und stürzte mit dumpfem, schweren Fall aus den Boden zu

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