Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 18 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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286 spät, für den Feiertag einzukaufen. Das feste Gottvertrauen hat mich von meinem Hochmute geheilt. Ich hatte Dir, du frommer Mann, diesmal nur die Gabe versagt, weil ich mich durch Deine stete Antwort „Gott hat geholfen" beleidigt fühlte. Mag er doch einmal sehen, wie er ohne meine Unterstützung den Feiertag ausrüstet, dachte ich. — Hinfort sollst Du meiner Gabe nicht mehr bedürftig sein. Ich gebrauche für meine großen Magazine einen tüchtigen Lagerverwalter, und da ich mehr als einmal Gelegenheit hatte, mich von Deiner Ehrlichkeit zu überzeugen und Deine Warenkenntnis häufig bewunderte, so biete ich Dir den erledigten Kosten in meinem Hause an. Ich will Dir ein auskömmliches Gehalt gewähren; willst Du meinen Vorschlag annehmen?" Markus war keines Wortes mächtig, und es bedurfte erst verschiedentlicher Zurufe seiner Frau, bis der Beglückte Worte des Dankes fand. „Gott sei gepriesen, nun hat alle Bot ein Ende," jubelte das Ehepaar, „unsere Ainder brauchen nicht mehr zu hungern." „Möge Ihnen reicher Segen zu teil werden," mit diesen Worten erfaßte die Frau die Hand des wohlthätigen Mannes, um sie zu küssen. Dieser aber entzog sich so schnell wie er konnte Öen Danksagungen und ging in sein Hausen dem beglückenden Bewußtsein, den Feiertag mit einer guten Handlung eingeleitet zu haben. Jahrzeit (Minian). (Mit Abbildung.) Den Todestag der Eltern in fronnner Weise, durch Gebet und gute Werke sowie durch den Besuch der Gräber zu feiern, ist eine heilige Pflicht, welcher sich alle Juden, arme und reiche, hohe und niedrige, unterziehen. „Ehre Vater und Mutter!" dieses Fundament des religiös-sittlichen altjüdischen Familienlebens erstreckt sich über das Grab hinaus. Die am Todestage veranstaltete stille Feier nennt rnan „Iahrzeit halten". Es ist dies eine altdeutsche Ausdrucksweise, die sich wie manche andere in der altjüdischen Welt bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Wenn der Trauerhabende oder Iahrzeiter dazu befähigt ist, vertritt er am Iahrzeitstage den Vorbeter, sonst aber begnügt er sich, das „Aaddisch" zu sprechen. Das ist das hoch angesehene „Heiligungsgebet", worin die baldige Herbeiführung des Gottesreiches, die Verehrung des wahrhaftigen Gottesnamens unter den Menschen erflehet wird. Zur Abhaltung des Gottesdienstes bedarf es nicht immer der Synagoge. Überall, wo zehn israelitische Männer „Minian" beisammen sind, kann einer aus ihrer Mitte hewortreten und das Gebet verrichten. Unser Bild führt uns in eine ärmliche französische Bauernhütte und zeigt uns zehn israelitische Arieger bei dem gemeinsamen Gottesdienst, der abgehalten