Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 18 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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283 Rabbi: Auch dieser hat sich schließlich vou seinem Führer trennen müssen. Venn nach Verlauf von einigen fahren trat der Weise vor den König und sagte: „Rlein Herr und König, ich habe mich bis heute bemüht, deinen geliebten Lohn Zn behüten und Zn allem Guten Zu erziehen. Und nun erlaube, daß'ich ihn verlasse, denn er ist Zum Jüngling herangereift, erfahren genug, daß er seinen Weg allein wandele und die Bürgschaft für seine Handlungen selbst übernehme." Da antwortete der König: „Weister, ich erkenne ans deinen Worten deine Weisheit und die Liebe Zn meinem Lohne. Es geschehe, wie du gesagt hast." — Der König und der Prinz entließen hierauf den Weisen init großem Bank und reichen Ehren und Geschenken. Run sprich, mein Liebling, was hast 6n aus dieser Erzählung gelernt? Samuel: flch erkenne, daß ich mich durch eigenes Rachdenken bestreben mutz, den rechte!! weg Zuin Guten Zn finden. Aber mein verehrter Lehrer- Rabbi: Run, warum Zögerst du? Samuel: Zürne nicht, mein Lehrer, wenn ich dich doch noch weiter init kurzen Fragen und Bitten beinühe. Rabbi: Frage nur, denn ein Lernender soll nicht schüchtern sein, auch kannst du gar nicht so viel Unterweisung verlangen, wie ich dir gern gebe. Samuel: Run sieh, Hillel,— gesegnet sei sein Andenken — sagt, halte deine Tugend nicht für unerschütterlich bis Zum Tode. Da frage ich nun, giebt es denn nicht ein Hilfsinittel, welches inich den sichern Weg Zum Guten finden läßt? Rabbi: Wenn du an Weisheit wirst Zngenoininen haben, wirst du erkennen, daß du in den Lehren der Thora und in deinen! eigenen Herzen viele solcher Hilfsniittel besitzest. Inzwischen aber ninnn dir Folgendes Zur Richtschnur: Der Mensch möge die Ermahnungen lieben, Denn diele bringen Keil in die Mell. Horche auf die Erinahnungen weiser und guter Ulenschen, auf die Erinahnnngen deiner Eltern, deiner Lehrer, auch deiner Lehrgenossen. Erhebe dein Auge und öffne dein Ghr, betrachte was heute geschieht und was gestern war. An jedein Grt und Zn jeder Zeit werden dir Ermahnungen znfließen, denn überall läßt die Weisheit ihre Ltinnne ertönen. Aut Wege und am Hanse und am Eingänge zur Ltadt ruft sie laut (Lpr. 6, 1—4). Horche also auf ihre Lehren und auf die Erinahnnngen guter Ulenschen, so wirst du mit Sicherheit den Weg zur Tugend finden. Samuel: ^'ch danke dir, mein Lehrer, und deine -Ratschläge will ich treu befolgen. Rabbi: Doch nun, inein Lohn, Zwingen inich Geschäfte, von dir Zn scheiden, ^ch Ziehe bald nach meine»! Landhanse Lepphoris, dort kannst du mich wieder auffnchen. Friede init dir! Samuel: ^jch danke dir, inein Lehrer, Friede mit dir!