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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 18 (1895) · p. Seite 279

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
18 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 279 (sequence 5)
Language
German
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„Ich weiß bereits davon, 1)err (ßroiie." „Wie, Sic wissen? Und was soll denn dies alles bedeuten?" fragte der U)irt mit argwöhnischen Blicken. „FürchtenSie nichts, HerrGröne, es waltet hier blos einAIißverständnisob." Rodenhein setzte seinen Wirt mit kurzen Worten den ganzen Sachverhalt auseinander, woraus derselbe sagte: „Bur gefiel dieser Russe schon lange nicht. Er gehört zu jenen Schlage junger Leute, die sich mit überspanntes! Ideen herumtragen und die in Verfolgung ihres Zieles selbst vor schweren Bergehen nicht zurückschrecken. Wer weiß, welche Unannehmlichkeiten Ihnen der Berkehr mit diesen! Ucenschen noch eingetragen haben wird." „Ich hoffe nicht, daß nur weitere Unzuträglichkeiten daraus erwachsen, wenn ich das, was!nir m dieser Angelegenheit bekannt ist, wahr und offen ausspreche." — „itim, ich will wünschen, daß die Sache so für Sie abläuft, wie Sie es sich denken. — Gute Nacht." — Rodenhein befand sich allein. Wie sah es jetzt in seinen! Zimmer aus, wo sonst die peinlichste Ordnung herrschte? Alles war über- und durcheinander geworfen, und er hatte Stunden lang mit dem Aufräumen zu thun. Ulüde und abgespannt legte er sich zu Bette, doch der Schlaf floh seinen Augen. Das Erlebnis des Abends hielt ihn i inner noch in Aufregung. Und als endlich der Schlunnner auf sein Auge sich senkte, da zogen gar absonderliche Träume an ihin vorüber. Zuerst wild bewegt, indem er sich einen! tiefen Abgrund von einen! mächtigen Sturin zugetrieben sah. Er schaute einen schwarzen Schlund, der ihn! entgegengähnte. Er wollte zurück, aber er vermochte es nicht. In diesen! Augenblick sah er zwei Wesen, ganz als kämen sie von! Himmel herab, auf sich zuschweben. O, er kannte sie — es waren die bleichen, aber liebevollen Züge seiner guten Eltern, die treublickenden Augen, die ihn in seiner Uindheit so oft mit Entzücken angeschaut, und sie, diese unvergeßlichen Eltern, sie trugen ihn über den Abgrund hinweg nach einer Gegend, die wild romantisch war, aber doch auch die schönsten Landschaftsbilder ihn schauen ließ. Da entschwand dieses liebliche Bild, — er erwachte. Eine unaussprechlich selige Einpfindung erfüllte und belebte ihn. — Dann aber der Blick in die Wirklichkeit! — Er sah sich durch den Berkehr mit Lattiloff in eine Lage gebracht, von der er sich, wiewohl er sich frei von jeder Schuld fühlte, weit, weit hinweg wünschte. Seiner wartete jedenfalls eine Borladung vor die Behörde, dort, das wußte er, werde er Rede stehen, und über alles, was er von Lattiloff wußte, Auskunft geben nüisfen. Auch stand zu erwarten, daß er auch über die Borgänge in der Behammlung befragt werden würde, wie gern er auch über alles Schweigen bewahren wollte, das stand bei ihn! fest, daß er, von! Richter darüber befragt, das in den! Alub Wahrgenonnnene und Gehörte frei und offen wiedergeben n!ußte. Nach etwa acht Tagen erhielt er die erwartete Borladung. Auf dein Tische des j?olizeibureaus lag sein Notizbuch sowie alle die Gegenstände, welche bei Lattiloff vorgefunden wurden. Aiit Selmar zugleich befanden sich auch noch einige andere Ulänner dort, die nach den! Anschein ebenfalls in dieser Angelegenheit zu verneinen

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