Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 17 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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sich hatte, erregte den Verdacht der Polizei und wurde in f)aft genommen, wo er sich noch befand. Alles dies wurde Rodenhein aus dem f)olizeiamte, wohin er sich begeben hatte, bestätigt. Auf seine Mitteilung,. daß man in der Lapstadt bereits den wirklichen Mörder seines Onkels festgenonunen, wurde ihm bedeutet, daß hierüber bereits Berichte eingegangen. Bei dieser Gelegenheit erfuhr Rodenhein auch, daß das Vermögen seines Onkels aus zwei Tausend fffund bares Geld, dann aber auch aus einer Anzahl Diamanten und einem Claim bestände, dessen Ausbeutung unter der Verwaltung der Behörde fortgesetzt wird. Rodenhein und Lindenberg suchten daselbst Beschäftigung und fanden sie. Der Leiter der Gräberei hatte bald herausgefunden, daß die beiden Europäer vennöge ihrer Intelligenz zu einer höheren Stellung als die übrigen Arbeiter befähigt fein. Sie erhielten eine solche und damit zugleich die Aufsicht über jene, wie auch einen höhern Verdienst. Inzwischen war der junge Raffer, der frühere Bedienstete des ermordeten Kraft, aus der Haft entlassen worden, und Rodenhein fand soviel Gefallen an dem jungen Mann, daß er ihn auch in seine Dienste nahm. — Verlassen wir jetzt unsere Freunde in Pniel, und sehen wir zu, wie es dem jüngeren der beiden Rodenhein, Selmar, geht. VII. Kapitel. W ö I e (S> c fc irfcß a ff. Selmar Rodenhein hatte inzwischen seine Arbeitsstelle gewechselt. Er war von Chaun de fonds nach Brüssel gegangen. Die außerordentliche Geschicklichkeit des jungen Mannes als Uhrmacher und Graveur erwarb ihm auch die Gewogenheit seines jetzigen Chefs im hohen Grade. Auch hier hatte sich Selmar einen Kreis von Freunden erworben, junge Leute, die dem intelligenteren Handwerkerstande angehörten; ein Juwelier, ein Lithograph und ein Maler bildeten den näheren Umgang Selmar Rodenheins. Sie fanden sich an den Abenden und in den freien Tagen in einem außerhalb der Stadt gelegenen Restaurant zusammen, wo sie sich durch Billard- und Kegelspiel unterhielten. Eines Tages wurde noch ein junger Mann in diesen kleinen Kreis eingeführt; er war, wie er angab, aus Rußland und Maschinenbauer von Beruf. Er war ungefähr 27 Jahre alt, von schlankem, aber doch kräftigem Muchs, hatte eine einnehmende Gesichtsbildung und trug einen üppigen Vollbart. Er sprach das Deutsche etwas gebrochen, das Russische und Französische hingegen siießend. — Unser Rodenhein umerhielt sich gern mit Iwan Lattiloff, der seine Wohnung in derselben Straße hatte, in welcher Selmar wohnte. Sie machten oft gemeinsame Spaziergänge. Rodenhein beachtete es nicht, daß Iwan mit einer gewissen Verbitterung von der in seinem Vaterlande herrschenden Regierung, von einem „nahe bevorstehenden Umschwung der Verhältnisse" sprach. Dem jungen Russen war es auch nicht entgangen, daß Sebnar durchaus kein Interesse für diesen Gegenstand ihrer Unterhaltung zeigte, deshalb kam er immer wieder darauf zurück. Einmal versuchte er, ihm darzulegen, wie sehr sich Rußland auch gegen die Juden versündige, und daß ihre Unzufriedenheit mit der russischen Regierung am allermeisten gerechtfepsigt wäre.