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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 17 (1895) · p. Seite 263

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
17 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 263 (sequence 7)
Language
German
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263 „Sic kommen immer wieder auf diesen Umstand zurück, (attiloff," sprach Rodenhein daraus, „ich kenne die russischen Verhältnisse nicht, und sie interessieren mich auch wenig; allein, wie ich aus der Geschichte der Juden gelernt, bot dieses (and ihnen ein Asyl, als sie von andern (ändern verwiesen und ohne Heimat waren." „Aber nur aus Eigennutz; es ist kaum nachzuweisen, daß die Juden in Rußland sich jemals des besonderen Wohlwollens ihrer (andesherrn zu erfreuen gehabt. Alan findet im Gegenteil, daß den Juden an Staatsrechten dort noch das vorenthalten wird, was ihnen in andern (ändern bereits längst gewährt ist. Sic dürfen nur in gewissen (andesteilen wohnen, und sie werden zu keinem Staatsamte zugelassen." „Ich habe Hiewon gehört; wie mau mir aber auch zu gleicher Zeit berichtete, wissen sich nieine Glaubensgenossen dort in ihr Schicksal zu finden und tragen ihrer Regierung keinen Groll nach." „Das ist ja möglich. Alan kann sich schließlich an alles gewöhnen, und der knechtische Sinn kann zur Natürlichkeit werden. Das ist aber durchaus nicht bei allen der Fall. Wenn Sie nur heute Abend in einen Alub folgen wollen, der sich nur aus russischen Angehörigen zusammensetzt, so werden Sie ganz andere Anschauungen kennen lernen." Aus vieles Drängen (attiloffs ließ sich Sebnar in den Alub einführen. Derselbe lag in einer abgelegenen Straße. Alan trat in ein kleines halbzerfallenes Häuschen und hatte auf dem dunkeln Flur nach der Thür zu suchen, die zu dem Versammlungsort führte. Tr bestand in einein engen, niedrigen Zimmer. In der Alitte desselben stand ein Tisch, und um denselben saßen wohl an l3--20 junge (eute, die alle russischer Nationalität waren. Rodenhein wurde der Versammlung vorgestelli und von dieser freundlich begrüßt. Der Vorsitzende eröffnete die Oersammlung und hielt einen Vortrag in russischer Sprache, wovon Rodenhein nichts verstand. Wie ihm (attiloff später mitteilte, setzte sich die Rede des Vorsitzenden aus verschiedenen Berichten über die politische (age in Rußland zusammen. Dann richtete der Vorsitzende an die Veisiannnlung 'die Aufforderung, etwaige Anträge zu stellen, oder von etwa vorhandenen wichtigen Nachrichten Alitteilung zu machen. Verschiedene Redner traten aus und brachten mit einer gewissen Begeisterung ihre Ideen zur Entwickelung. Da aber alles in russischer Sprache geschah, so nmßte das Vorgetragene unsenn Rodenhein immer erst von Iwan verdolmetscht werden. Dadurch hatte dieser Gelegenheit, ihm das Gefährliche dieser Reden zu verheimlichen und nur das Ucuinlose mitzuteilen. Schon bei seinem Eintritt hatte man Rodenhein das Versprechen abgenonnnen, sich gegen niemand über den Alub zu äußern. Da er die Ziele des Alubs für rechtschaffen hielt, war er daraus eingegangen. Den eigentlichen Zweck desselben erfuhr er gar nicht. Soviel Rodenhein heute zu wissen bekam, handelte es sich uni Ausbringung einer Summe Geldes zu einer bestimmten Verwendung. Im weiteren Verlauf des Abends kam die Rede auf Papiergeld und namentlich auf j?apier-Rubel, und bei dieser Gelegenheit wurde ein ganz neuer dieser Scheine den Anwesenden zur Ansicht vorgelegt. Er ging von einer L)and in die andere und kam auch in die Rodenheins. Dieser hatte russisches Papiergeld schon gesehen. An dem ihm gezeigten Schein siel ihm nur der Umstand aus, daß er noch ganz neu war, und er konnte sich durch-

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