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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 16 (1895) · p. Seite 246

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
16 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 Freunde standen nun in diesem bunten Menschengewimmel da, ohne zu wissen, an wen sie sich zu wenden hätten. Endlich hatten sie ein Schanklokal ausfindig gemacht, an welchem ein Schild mit deutscher Aufschrist zur Herzensstäickung einlud. Unsere Freunde traten in dasselbe ein. Sie nahmen darin eine gewisse Eleganz wahr, wie denn die Einrichtung überhaupt den europäischen Eharakter an sich trug. Hier wurden alle Sprachen der Welt gesprochen, und es heimelte unsere Freunde an, als sie auch deutsche taute darunter vernahmen. Sie hatten bald die Bekanntschaft einiger Deutschen ge,nacht, unter welchen sich ein gewisser Heller befand, der, aus Lübeck gebürtig, unser,,, Lindenberg* bald nahe stand. Heller kan, direkt von den Diamantenfeldern an, Oranjeflusse, er wollte den gesammelten Borrat an die Händler in der Eapstadt verkaufen. Zun, ersten Male bekamen Rodenhein und Lindenberg die edlen Steine zu sehen. Es waren nur kleine goldfarbige, aber funkelnde und glitzernde Steinchen, die ihnen gezeigt wurden, die noch nicht ein,nal gänzlich von, Staube frei geschliffen waren. Mit vielen, Interesse betrachteten unsere Hainburger Jünglinge diese den, Schoße der Erde entnonnnenen Mineralien. Heller schilderte ihnen auch mit beredten Worten all die Blühen „nd Beschwerden, mit welchen die Edelsteine zu Tage gefördert werden; aber dieses vermochte nicht in ihnen die Sehnsucht nach' den Diamantenfeldern „iederzuhalten. Heller erzählte, daß vor einigen Jahren ein Raffer einen Dian,ante,, gefunden, für den er zuerst 200 Pfund Sterling forderte. Er suchte sich einen andern Händler und bekam schließlich dafür über 300 Scbaafe, einige Rühe und Pferde, so daß der Wert des Steines nicht mit ^00 pfd. bezahlt worden war. Derselbe Stein wurde später für \800 Pfund verkauft. Der Erzählende hoffte, seine Steine würden ihn, wenigstens 300 Pfund einbringen. Er hatte die Steine auf den, Tische ausgebreitet, un, welchen sich eine Anzahl der anwesenden Gäste gruppiert hatte. Unter denselben befand sich ein Amerikaner, dessen Gesichtsausdruck unhein,lich wiickte. Dieser hatte sich an den Tisch herangedrängt, wie es schien, un, die Steine näher in Augenschein zu nehmen, — dann hatte er sich langsam wieder zurückgezogen. Als Heller die Steine wieder in das Säckchen zurücklegen wollte, bemerkte er, daß ihn, welche fehlten. — „Ich bin bestohlen!" rief er mit lauter Stinnne aus. Er ließ seinen rollenden Blick in, Rreise un,hergleiten, bis er an den, Amerikaner hängen blieb. „Das ist der Dieb," schrie er — „dieser und kein anderer. Ich beschwöre es." — Er deutete mit den, Finger auf den Ainerikaner, der mit der harn,losesten Miene auf der Bank saß und den, polternden, schreienden und schimpfenden Heller ruhig ins Gesicht sah. Dieser raffte die noch auf den, Tische liegenden Steine zusannnen, legte sie in das Säckchen, und nachden, er dasselbe in die Tasche gesteckt hatte, stellte er sich vor den An,erikaner hin und sagte in englischer Sprache: „Sie sind der Dieb, denn Sie waren vorhin in n,einer nächsten Nähe." „Das Letztere ist wahr; aber wie können Sie behaupten, daß ich Ihnen von den Steinen genomn,en?" „Ich bleibe dabei, Sie sind der Dieb; Sie haben sich mit einen, bewundernswürdigen Runstgriff n,eine Steine angeeignet." — nSo“ — erwiderte jener und zog mit der größten Gelassenheit einen Revolver aus der Tasche. Dann sprach er: „Und ich sage Ihnen, daß, wenn

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