Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 16 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Häßlichkeit nicht ins Gewicht fallen können gegenüber der Erkenntnis, daß alle zu uns gehören, die deutsch denken, handeln und fühlen," sprach Lindenberg, „das haben die Juden zu allen Zeiten bewiesen, und man braucht deshalb wahrlich nicht erst an den Geist der Duldsamkeit und der Humanität sich zu wenden, um denselben gleiche Rechte wie den christlichen Deutschen einräumen zu müssen?" „Wohl, mein lieber Lindenberg," erwiderte Rodenhein, „wer wie Sie schon im elterlichen Kaufe diese vorurteilslose Gesinnung in sich ausgenonnnen hat, der wird eine schlicht darin finden, sie überall zu bekennen und zu vertreten, allein denken Sie nur an diejenigen, die teils aus anerzogenem Vorurteil, teils aus Neid und Außgunst gegen uns Süden eine feindliche Gesinnung hegen." „Vertrauen Sie dem gesunden Volksgeist", entgegnete Lindenberg, „der sich der Einsicht nicht verschließen kann, daß die Abneigung und das Vorurteil gegen die Süden unbegründet und ungerechtfertigt ist." „Gott gebe es," sagte Worisseid, „allein wir werden noch lange mit den gegenwärtigen Mißverhältnissen zu rechnen haben. Sndes, meine Herren, es ist spät geworden, wir wollen uns zur Ruhe begeben." Die Gesellschaft suchte das Nachtlager auf. V. Kapitel. Int öcu* ^iapffaöf. Hünf Wochen waren unsere freunde bereits auf der Snsel, als eines Tages dröhnender Kanonendonner verkündete, daß das erwartete Schiff an gelangt war. Es war das Segelschiff „Werra," das von Hamburg kam, um die von Alorisfeld angesammelten Pfeile abzuholen. Sndes sollte solches vorerst noch nicht geschehen, sondern das Schiff hatte für jetzt nur angelegt, um frisches Wasser einzunehmen, sollte dann nach Kapstadt seinen Kurs richten und auf der Rückfahrt auf Tristan da Tunha anlegen. Sedenfalls ward unfern freunden jetzt Gelegenheit gegeben, dem Ziele ihrer Reise näher zu kommen. Da Rodenhein und Lindenberg bei dem Schiffbruch alle ihre pabseligkeiten eingebüßt hatten, so mußten sie schon während ihrer Anwesenheit aus Tristan da Tunha mit Wäsche und 'Kleidungsstücken von Awrisseld versorgt werden. Vor der Abreise wurde die Anzahl der Stücke natürlich vermehrt. Der Abschied von dem braven Wanne, der die beiden freunde so liebevoll behandelt, an dessen menschenfreundliches Wesen sie sich gewöhnt hatten, siel ihnen ungemein schwer. Aut herzlichen Worten des Dankes für die gewährte Gastfreundschaft traten unsere freunde die Reise nach der Tapstadt an, die sie nach längerer Reise glücklich erreichten. Dieser Ort zählte ungefähr s0 000 Einwohner, von welchen über die Kälste Neger sind. Alle Straßen durchschneiden sich in rechten Winkeln und haben ^veiße, sehr reinlich aussehende Däuser. Die Dächer sind glatt und bilden Terrassen; jedes Stockwerk hat außerdem einen Balkon, auf welchem abends die Damen im^großen Vutze Zusammenkommen. Auf dem Acarktplatze befinden sich zu allen Zeiten Hunderte mit Lebensmitteln beladene Karren. Die Weißen in der Tapstadt setzen sich zusammen aus allen Ländern der Welt. Engländer, Amerikaner, Deutsche, Franzosen und Araber bewegen sich im Gemische und in den verschiedenartigsten Trachten in den Straßen. Unsere