Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 15 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ließen es sich vortrefflich schmecken. Leibst die verwöhnteste)! Feinschmecker unter ihnen nahmen mit dieser einfachen Rost vorlieb; denn Hunger erwies sich auch hier als der beste Roch. Nachdem inan also dev! ersten Bedürfnisse Genüge gethan, besprach der Rapitän mit den angesehensten der Inselbewohner das weitere. Diese versprachen die Beherbergung und Verpflegung der Lchiffbrüchigen für 4 Tage; eine längere Frist verbiete Gesetz und Brauch, fügten sie hinzu. Und dabei blieb es. Die Lchiffbrüchigen fanden in dieser Aeit WohilUilg und Verpflegung in den ^Häusern der Inselbewohner. Lcbon war der dritte Tag ihrer Anwesenheit aus dein Tiland angebrochen. Das Wetter war schön und mild, und unsere Freunde Ändenberg und Aodenhein beschlossen, einen Ausflug nach dein Tiefinnem der Insel zu machen. Lie stießen aus ihrer Wanderung wohl aus verschiedeiie Ansiedeluilgen, verinieden es jedoch daselbst einzukehren, weil sie wußten, daß man sie nirgend gern hätte und sie am liebsten schon weit, weit von der Insel gewußt hätte. Uin die Auttagszeit lvurde es heiß und schwül. Tin brennender Durst stellte sich bei ihnen ein, aber keine (Quelle wurde sichtbar, ihil zu stillen. Unsere Freunde beschlossen deshalb, bei der nächsten Ansiedelung einzukehren und uiii einen Trunk Wasser zu bitten. Bald daraus tauchte wirklich eine solche vor ihnen aus. Bor derselben befand sich ein wohlgepflegter Garteil, während in einein eingezäunten Hose eine Alenge Felle von Leelöwen uild andern Tieren aufgestapelt lageii. Tin kleines, aber nettes und festes Häuschen bildete die Wohnuilg der Ansiedler. Die Thür stand offen, und unsere Freunde traten auf den Flur. Lie pochten an die erste Thür, erhielten aber keine Antwort; sie griffen in das Lchloß, doch die Thür schien verschlossen. Was nun? Beide standen iioch unschlüssig da, als Aodenheins Auge auf einen Gegenstmid siel, der ihn aufs freudigste überraschte. In dein Rahmen der Thür war oben, an der rechteil Leite des Tingangs eine längliche Rapsel befestigt, über deren Inhalt Rodenhein nicht zweifelhaft sein koiiilte. Ts war eine sogenannte Ukesusah, worunter wir die am Tingange jedes jüdischen Hauses sich befindende ßffostenschrift verstehen. Hier, nmntteil der Wildnis eure Ulesusah! Rodenhein wußte, daß er vor der Wohnung eines Glaubensgenossen sich befinde und aus eine gastliche Aufnahiile rechnen dürfe. Hocherfreut teilte er dies seinenl Freunde init. „Lehen Sie, Andenberg", sprach er, auf die Rapsel zeigend. „Was ist's mit diesem Dinge, und was bedeutet Ihre Verwunderung?" „Ich weiß, daß hier ein Jude wohnt, lnein Glaubensgenosse." „And was dann? Erwarten Sie von ihm eine freundlichere Behandlung, erwarten Lie von ihln, daß er Lie länger als bis übermorgen hier dulden werde?" „Bun, Lie werden ja sehen. Letzen wir uils einstweilen auf die Bank draußen vor der Thür. Wir warten in jeden! Falle die Heimkehr des Bewohners ab." „Aber der Durst wird unerträglich." „Wohl, wir wollen suchen, vielleicht befindet sich irgend ein Brunnen oder eine Tisterne in der Bähe; es läßt sich nicht annehmen, daß ehre menschliche Wohnung ohne Wasserbehälter sein werde." — , Sie fanden in der That, von einer Hecke verdeckt, in der Bähe des Hauses