Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 15 (1895) · p. Seite 230

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
15 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 230 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9620171-9621231-9621481--0264-9621487
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

230 eine Art Zisterne. Ein dabei stehender Eimer ermöglichte es ihnen, aufs schnellste und beste ihren Durst zu stillen. Dann ließen sie sich auf die Bank nieder und warteten wohl drei stunden. Endlich vernahmen Sic Hundegebell, das ihnen die Ankunft des Eigentümers der Ansiedlung ankündigte. Und wirklich sahen sie bald darauf zwei Männer, einen älteren und einen jüngeren, auf das Haus zukommen. Ein Hund eilte mit gewaltigen Sprüngen und unter heftigen! Bellen ihnen voran. Beide Männer trugen Felle von Seekälbern auf ihren Schultern. Lindenberg und Rodenhein erhoben sich grüßend. Jene waren nicht wenig erstaunt, als sie der Fremden ansichtig wurden. Sie wußten überhaupt nicht, daß Fremde auf der Insel seien. Unsere Freunde gingen den Männern entgegen, und ihnen nahe gekonnnen, redete Rodenhein sie in deutscher Sprache an. Der ältere Mann blieb verwundert stehen. — „U)as!" rief er ebenfalls in deutscher Mundart, „Sie sind Deutsche, liebe, teure Landsleute? O, wie freue ich mich, Sie bei uns zu sehen. Ja, ich und inein Sohn, wir sind auch Deutfche, und deutsche Alänge zu hören, ist uns ein köstlicher Genuß, den wir lange schmerzlich entbehrten." Er war an unsere Freunde herangekonnnen, sein Sohn konnte ihm kaum folgen, so eilig hatte es der Alte. Beide reichten den Fremden die Hand. „Seien Sie nur herzlich willkommen" sprach der ältere — „Sie sind mir liebe, werte Gäste. Treten Sie in meine Wohnung und machen Sie sich's daselbst so bequem als möglich." — Rasch schloß er die Stubenthür auf und ließ die Fremden eintreten. „Nehmen Sie Platz, meine Herren", rief der Ansiedler „und Du, Moritz, besorge schleunigst etwas zur Magenstärkung für die Herren, sie werden derselben wohl benötigt sein."— Der junge Mann eilte fort, um den Auftrag des Baters auszuführen. „Lasten Sie mich jetzt", begann nun Rodenhein, „Ihnen, mein Herr-, meinen Dank aussprechen für die gastliche Aufnahme, die wir um so dankbarer empfinden, als wir bisher bei den Bewohnern dieser Insel nur Gezwungenheit vorgefunden haben. In gleicher weise sprach sich Lindenberg aus, und der Ansidler erwiederte darauf in seiner bescheidenen weise: „Wundern Sie sich darüber nicht, meine Herren, daß Sie bei mir etwas mehr Entgegenkonnnen finden. Ich thue es wirklich von Herzen gern und in Freude darüber, Landsleute, Deutsche, bei mir zu sehen. Jene, die Sie so gleichgültig behandelt, sind Engländer und außerdenr jedem Fremden aus dem Grunde feind, weil sie ihren Handel durch ihn beeinträchtigt zu sehen fürchten. Doch Sie sind jetzt bei mir und werden in den ersten Wochen von mir nicht abkommen. Daraufhin ist es wohl nötig, meine Herren, daß wir vor allen Dingen etwas näher mit einander bekannt werden. Mein Name ist Morisfeld, und der junge Mann, den Sie bei mir treffen, ist mein Sohn. Ich bin in der Provinz Posen in dem Städtchen Borek geboren und von der Hamburger Gesellschaft Ianzen & Co. hier als Agent oder Aommissionär zum Ankauf von Fellen angestellt. Zweimal im Jahre werden die angekauften Felle abgeholt, und ich habe dann Gelegenheit, sowohl nach Hamburg zurückzukehren, als auch Erkundigung über alle in Deutschland vorhandenen Neuigkeiten einzuziehen." Lindenb^rg und Rodenhein nannten nun auch ihre Namen und ihre Heimat, und bei dieser Gelegenheit erzählte Rodenhein von den: Umstande, der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.