Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 14 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 81% known words query
- IRI
…/9620171-9621231-9621464--0253-9621476- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
220 nun nach 6cm Hafen; welches Leben bot sich unfern Blicken dar! Schiffe aus den verschiedensten Ländern lagen dort vor Anker. Wir erhielten die Erlaubnis, die Imperatrix besuchen zu dürfen. Ich hatte noch nie ein Schiff von solcher Größe gesehen, und man kann garnicht den Gedarrten fassen, daß ein solches Schiff untergehen könne. Der: besten Begriff, wie ein solches Schiff gebaut urrd hergestellt wird, erhielterr wir, als wir das Arsenal des österreichischen Lloyd besuchterrund dort in derr Werkstätten urrd Waschirrerrräumen herurrrgesührt wurden. Hier werden alle Schiffe dieser Gesellschaft gebaut, urrd wir saherr zufällig eirr wunderbares Schiff, die Habsburg, das soeben vollerrdet worderr war urrd irr derr rrächsterr Tagen vorrr Stapel lausen sollte. Derr rrächsterr Tag widrrreterr wir einer Spazierfahrt nach Burarrrar, welches als das schörrste' Lustschloß gelterr soll. Hier wohrrte früher der urrglückliche Erzherzog Maximilian vorr Österreich. Glücklich urrd voll der schörrsterr Hoffrrungen, schiffte er sich rrach Bkexiko ein, urrr sich dort als Kaiser frönen zu lasserr, und wurde später daselbst aus schrrrählichste Weise durch Beschluß des Kriegsgerichts erschofferr. Der Gedanke an dies so sehr traurige Ereignis stirrrrrrte urrs alle wehrrrütig. Hart am adriatischerr Bleere gelegerr, ist das Schloß schon vorr weiterrr sichtbar. Sein Inneres ist kostbar ausgestattet. Blanche Zimmer strrd gerrau so geblieberr, wie sie der Kaiser Blax verlasserr hat. Aber das Schörrste an Brirarrrar ist doch fein wunderbarer f)ark. Hier strrd die schörrsterr j?slarrzerr zu schauerr. Der Gärtrrer, der urrs heruirrführte, zeigte urrs einen Kamelierrhain, dessen Bäume Tauserrde vorr Blüten schrrrückterr. Außerderrr gab es prachtvolle Halmen und Kacteerr zu bervunderrr, urrd fast an jederrr Plätzchen hat rrrarr eine wurrderbare Aussicht aufs Bleer. Nach kurzerrr Auferrthalte in derrr herrlich gelegener! Abbazia warrdterr wir urrs nun unferm letzten Reiseziel, der Hauptstadt Österreichs, Wien zu. Wir berührten dabei das so arg vorn Erdbeberr heimgesuchte Laibach urrd passierten den Semmering. Irr Wien statteten wir zuerst derrr Stesansdome, dieser alten interessanten Kirche, einen Besuch ab. Sie birgt viele Kunstschätze, besonders sind die Kanzeln derselben irr sehr schöner Holzschnitzerei ausgesührt. Auch waren wir irr der Kapuzirrerkirche, an welche sich deren Hauptsehenswürdigkeit, die Kapuzirrergruft, arrschließt. Es ist dies ein Gewölbe, irr der fast alle Sackophage des österreichischerr Kaiserhauses stehen. Einen besonders großartigen Eindruck rrracht der prächtige Sarkophag der Kaisern! Blaria Theresia, die hier vereirrt mit ihrem Gemahl, Franz von Lothringen, ruht. Aus dem Sarge des Kronprinzen Rudolph waren noch zahlreiche Kränze zu sehen, darunter auch einer vorr unserrrr Kaiser. Bei einer Fahrt durch die wundervolle Ringstraße sielen mir besonders die großartigen Gebäude auf. Wohl die schönsten von ihnen sind die beiden Bluseerr. Das eine wird das kunsthistorische, das arrdere das naturhistorische genannt. Beide sind auch im Innern großartig ausgestattet urrd bergen ungeheure Schätze. Irrr ersteil interessierten mich besonders die wundervoller! Bilder alter Dreister. Leider konnten wir das Schörrste, die Rubenssäle, nicht sehen, weil gerade Ber-