Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 14 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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219 „Mie td? die Osterferien verlebt habe." I. H^rersarveit. Richard Myek-Berlin, Kgl. IVilhelms-Gymnaflum. «Schluß.» Auf der Piazzetta, dem Pfeifet4 vor dem Dogenpalast, stehen zwei Läufen; auf der einen ist der geflügelte Löwe von San Marco, während auf der andern der heilige Theodor auf einem Krokodile dargestellt ist. Dom Dogenpalast führt eine kleine Brücke, die Ponte de Lospiri, die Leuszerbrücke genannt, in die Gefängnisse hinein. Dort wurden die politischen Verbrecher gefangen gehalten, und wer einmal die Leuszerbrücke überschritten hatte, sah das Tageslicht nicht wieder. Auch machten wir eine sehr interessante Fahrt aus dem Canale Grande. Au beiden Leiten sieht man wunderschöne alte Paläste, die früher den Nobilis non Venedig gehörten. Lehr interessant ist auch die Rialtobrücke, die in einem großen Bogen über den Tanal hinwegsührt. U)ir besuchten auch die große Glasfabrik von Testolini, wo wir Gelegenheit hatten, die Glas- und Ulosaikarbeiter bei ihrer kunstvollen Arbeit zu sehen. Bei einem Gange durch die Ltadt kamen wir auch durch das Ghetto. Ts ist dies das Viertel, wo früher nur Auden wohnen dursten. Zum Peßachsest waren wir dort in der Lynagoge; dock) erschien mir der Gottesdienst nicht so schön wie bei uns. Dann aber machten wir ein Ereignis mit, das mir unvergeßlich bleiben wird. Ach meine das Erdbeben, wovon hauptsächlich Lüdösterreich und ein TeilMbertaliens betroffen wurde. An der Bucht vom ersten zum zweiten Osterseiertage wurden wir plötzlich durch ein heftiges Lchwanken unserer Betten und Klirren der Fensterscheiben und Thüren jäh aus dem Lchlafe erweckt. IVir hatten ungefähr das Gefühl, als ob wir bei stürmischem Leegange in einer Lchiffskabine lägen und vom Lturme hin- und hergeworfen würden. Am ersten Augenblicke konnten wir uns die Eistcheinung nicht erklären, aber nur zu bald wurden wir gewahr, daß es sich nur um ein Erdbeben handeln konnte. Nachdem wir den ersten Erdstoß, der sechzehn Lekunden dauerte, überstanden hatten, wurden wir noch dreimal in derselben Nacht durch Erdstöße erweckt, die aber von bedeutend kürzerer Dauer waren. Die meisten Gäste aus unserm Hotel flohen aus den Ucarkusplatz, auf dem Tausende von Ulenschen vehammelt waren. Zum Glück fand kein ernsterer Unfall statt, und so beruhigten sich bald wieder die erregten Gemüter. Am andern Tage mußten wir uns, wenn auch schweren Herzens, von Venedig trennen. Noch an demselben Abende erreicksten wir Triest, die größte Hafenstadt Österreichs, hier war das Erdbeben noch stäcker verspürt worden, und die Bevölkerung war noch in großer Erregung. Zu meiner Freude hörte ich am andern Ucorgen, daß gerade ein sehr großes Lchiff ans Bombay, die Imperatrix, dem österreichischen Lloyd gehörig, eingelausen sei. IVir fuhren