Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 14 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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218 träger thäte. Sie haben sich gewiß nur einen ScherZ gestattet, um an meiner Angst miö Aufregung sich Zn ergötzen. Aber ich Zürne Wien deshalb nicht. Leben Sie wohl! Doch bevor wir uns trennen, muh ich Sie gehorsamst bitten, unser Gespräch niemandem mitZnteilen; denn böse Alenschen geben Zuweilen auch den harmlosesten Worten eines stnden eine schlechte Deutung, stch wiederhole nochmals, daß ich Sie Zwar für einen großen Herrn, aber nicht für einen noch größeren als Arst Paskewitsch halte. Leben Sie wohl und Zürnen Sie dem dreisten Rabbiner von Sklow nicht!" Bevor der Zar erwidern konnte, war der Rabbi seinen Augen entschwunden. Roch an demselben Abend erzählte der Zar dies Erlebnis dem Kommandeur Grasen Benkendorf und ließ durch ihn den PoliZeipräsiöenten beauftragen, unverZüglich die Wohnung des Rabbi ausfindig Zn machen und dafür Zu sorgen, daß derselbe am nächste?! Alorgen Zufällig einen Platz in der nächsten Rähe des Kaisers erhalte. Gin kaiserlicher wagen, mit sechs prächtigen Rossen bespannt, stand bereit, den Zar Zu den, in der Llmgegend manövrierenden Truppen Zu bringen, vor dem Portal des Schlosses, wo der Kaiser Glnartier genommen hatte, war eine festlich geschmückte Alenschenmenge versammelt, um noch einmal den mächtigen Beherrscher aller Reußen Zn sehen. Llnd unter diesen Tausenden von Reugierigen, inmitkn der Aristokraten, höheren Beainten und angesehensten Bürger der Stadt, stand der Rabbi von Sklow in freudiger Erregung, durch die an stallende Zuvorkommenheit der PoliZeiorgane ohne weiteres einen so guten Platz gefunden Zn haben, plötzlich verstunnnte der Lärm, und Aller Augen richteten sich nach dem Portal, ans welchem der Zar in demselben Promenaöen-AnZng, den er am Abend Zuvor getragen, heranstrat. st hm folgte der Kommandeur Benkendorf, der ein seidenes Kissen trug, ans welchen: eine goldene Aledaille lag. Der Zar ließ seinen Blick über die Alenge schweifen, und als er den Rabbi gewahrte, trat er schnell an ihn heran, legte ihm die Hand aus die Schulter und sprach! Silrawstwui moi poezteny Schklowsky iiawinn! (Sei gegrüßt, geehrter Rabbiner von Sklow!) Diese Medaille überreiche ich Dir für Deine Treue Zum Kaiser; trage sie als Zeichen meiner Huld und Hochachtung Zum ewigen Andenken an die gestrige Stunde ans Deiner treuen Brust!" (ohnmächtig, ein Wort des Dankes heroorZnbringen, sank der Rabbi vor dem Zaren in die Knie und küßte abwechselnd bald den Saum des kaiserlichen Mantels, bald das ihm überreichte Ehrengeschenk. Ein taissendfaches Hurrah ertönte, und noch bevor der Rabbi seine Fassung wiedergewann, hatte der Kaiser seinen wagen bestiegen und fuhr blitzschnell von dannen. Langsam erhob sich der Rabbi und den thränenfeuchten Blick gen Himmel wendend,' betet er: „Gelobet seist Du, Gott, der Du von Deiner Herrlichkeit hast niitgeteilt dem Sterblichen!"