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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 14 (1895) · p. Seite 217

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
14 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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217 „Aber tiwttiit haben Sie nicht die Gelegenheit wahrgeitonnnen, ihn hente nachmittags, als er an öcr Spitze 6er Truppen vom GrerZierplatz in 6ic Stabt einrückte, sich anZnsehen?" „weil ich leiber Zu spät hier angelangt bin. wie glücklich würbe ich mich schätzen, wenn es mir wenigstens morgen gelingen würbe, ihn Zn sehen!" „Sinb Sie ein Kaufmann?" „Rein. stch bekleibe ein Ehrenamt in einer Wischen Gemeinbe." „Damt sinb Sie gewiß Rabbiner!" „sta, Herr! Diesmal haben Sie richtig geraten: ich bin Rabbiner." „Jt ber hiesigen Gemeinbe?" „Rein, in einer viel größeren." „^n Berbitschew?" „Rein anch nicht in-Berbitschew: ich bin ber Rabbiner von Sklow. Rnn wissen Sie, wer nnb was ich bin." Sklow war öamals wegen ber vielen Gelehrten nnb weltbekannten Rabbinen, bie bort lebten nnb wirkten, rühmlichst bekannt. Der Zar, ber von bieser Gelehrtenstabt Kenntnis gehabt haben mochte, entblößte lächelnb sein Raupt nnb sprach: „Rnn begreife ich, warum Sie ben Hut nicht gelüftet haben, als Sie mich trafen . . Aber ich glaube," fuhr ber Zar nach einer kurzen Pause fort, „anch wenn Sie Rabbiner von Sklow sinb, wäre es boch sthre Pflicht gewesen, ben Hut vor mir Zu Ziehen; wissen Sie beim wirklich nicht, wer ich bin?" „Rein! stch halte Sie für einen GfsiZier, für einen Gberst." „Richt geraten, Herr Rabbiner," sagte ber Zar, kaum mächtig, sich bes Rachens Zn erwehren, „ich bin mehr als ein Gberst." „Vielleicht gar ein General!" rief ber Rabbiner erregt, trat einige Schritte rückwärts nnb faßte mit Zitternöer Raub an den Raub bes Hutes. „Roch inehr als ein Geiieral!" „vielleicht gar Robinger?!" vnö ohne bie Antwort abZuwarten, trat er iioch einige Schritte Zurück, ritz schiiell ben Hut voin Kopfe nnb verbeugte sich tief; öenn er Zweifelte nun keinen Angenblick mehr, baß er vor erneut Hoheit würöenträger staub. „Roch ntehr als Robittger!" lachte ber Zar, ohiie fein Auge von bem geäitgstigten Rabbi abZnwenbett. „Dann", stotterte jener, fast gelähmt von jähent Schrecken, „öaun sinb Sie Fürst Paskewitsch!" „Roch titehr als Fürst Paskewitsch, Herr Rmbbiner." Sprachlos tmö in tanseitb Ängsten, entblößten Hauptes uuö am ganZen Reibe zittentb, bot ber Rabbi von Sklow eilt Rilö bes stammers. „kver titag bieser sottöerbare Herr sein?", so tttarterte er sein Gehirtt. „vielleicht gar ber Abjutant bes Kaisers? . , . vnb meint er es ist, was habe ich Ztt fürchtett?" so beruhigte sich ber Rabbi, uuö iietten Atnt fassenb, näherte er sich vertraulich 6cm Zaren nnb sprach: „stch glaube es nicht, baß Sie itoch mehr sinb als Paskewitsch. Selbst Fürst Paskewitsch würbe nicht ohne Schutz nnb Begleitung allein promenieren nnb mit einem staben eine vttterhaltung anknüpfeit, geschweige beim, bah es hier ein noch höherer kaiserlicher würben-

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