Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 14 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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213 wölk zur schwarzen 21!affc sich anballte, ersuchte er dieselben, ihre Kajüte aufzusuchen. Aus wiederholtes Bitten: der Passagiere gewährte er ihnen noch eine Viertelstunde zur Beobachtung des Schauspiels, welches die Natur vor ihren Augen entfaltete. Schwarze Molken hingen an der einen Seite des Horizonts, während leichte weißliche Molkengebilde an seinem andern Teile wie Schneeflocken in der mittleren Lustregion schwammen und die Hauptmasse langsam den Zenith hervorspie. Tinen Augenblick sah der hinnnel an einer Stelle hellblau, an der andern kupferfarbig und dunkelgrün aus. Blitze schlängelten sich durch diese schinnnernde Masse, und der Donner mischte sich darin, nicht der murrende langgedehnte Donner wie aus den: Lande, wo der Ton ab- und zurückprallt, sondern in abgestoßenen, kurzen Schlägen, da er aus der weiten Wasserfläche kein Echo fand. Nach allen diesen Vorspielen kam endlich das Metter heran; dein gerissenen Himmel entstürmte der Begen in ungeheuren Tropfen. Das Meer entwickelte albnählich seine Masserberge, und der Sturm riß mit Gewalt cm den Masten des Schiffes, so daß das Ganze nur einen Ton, nur ein Klagelied zu haben schien. Jetzt bestand der Kapitän daraus, daß das Verdeck von allen gerämnt werde, die nicht zur Bedienung des Schiffes gehörten. Und unten im Zwischendeck vernahm inan eine wahre Höllenmusik, zwischen welcher sich das Busen des Kapitäns, das Schreien der Matrosen, das Brüllen der Mögen und das Quietschen der Hebezeuge mischte. Der Donner hatte ausgehört, aber der 5turm war zum Orkan angewachsen. Die riesengroßen Mellen warfen das Schiff wie einen Spielball mnher, und als der Kapitän auf einen Augenblick nach dein Mitteldeck kam, um sich in den unteren Schiffsraum zu begeben, konnte man deutlich auf seiner Stirn das Bedenkliche der Situation lesen, in welcher man sich befand. Das Schiff hatte unter der Gewalt des Sturmes seinen Kurs verloren; man war, wie sich später zeigte, in die Nähe mehrerer, das Kap der guten Hoffnung umgebenden Inseln gelangt, um welche sich Zahlreiche gefährliche Felsenriffe zogen. Da — plötzlich ein gewaltiger Buck, der alles cwf dem Schiffe erbeben ließ, und im nächsten Augenblick saß dasselbe fest. Der Kapitän ließ Volldampf geben, um es wieder loszubringen, aber bald stellte es sich heraus, daß das Schiff in seinem unteren Teile beschädigt war; das Maffer drang in seinen Maschinenraum und löschte die Feuer unter demselben aus. Als diese Nachricht von einem Matrosen kundgethan war, entstand unter den Passagieren eine furchtbare Aufregung. Ts gab keinen halt mehr, alles stürzte nach oben, um sich selbst von der gefährlichen Lage, in der man sich befand, zu überzeugen. Vergebens befahl der Kapitän, nach dem Zwischendeck zurückzukehren. Seine Stimme verhallte in dem Toben des Stunnes, der die Mellen des aufgewühlten Meeres über das Verdeck schleuderte, wo sie alles mit sich fortriffen, was in in ihren Bereich kam. Zwei Matrosen waren bereits die Opfer der immer aufs neue sich wiederholenden Sturzwellen geworden, hierdurch waren die nach oben geströmten Passagiere gezwungen, sich wieder in das Innere des Schiffes zurückzuflüchten, hier waltete das Tntsetzen im höchsten Grade und kam in verschiedener Meise zum Ausdruck. Die Bitten liefen wie besessen im Baum umher, andere starrten in stiller Verzweiflung vor sich hin, noch andere riesen Gott um Hülse und Bettung an. Bodenhein und Lindei'berg hatten sich nach einer Tcke zurückgezogen, Der tiefe Trifft der Situation gab sich in ihrer Haltung kund. Bodenhein,