Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 14 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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gewissermaßen näher, weil er dessen Weisheit und Güte zu würdigen weiß; er darf der besonderen Fürsorge Gottes sicher sein." 4 Lindenberg schüttelte den Uops. Rodenhein fuhr fort: „lassen Sie es, Lindenberg, sich gesagt sein, daß, wenn jeder U7ensch seinen Lebensgang einer genauen Betrachtung unterziehen würde, er sicherlich zu obigem Schluß gelangen wird. Sie, lieber Lindenberg, Sie haben sich vielleicht niemals diese Ulühe gegeben, Froh und glücklich verlebten Sie die erste Jugend, und die Verhältnisse, unter welchen Sie ausgewachsen sind, waren wenig geeignet, Sie zmn rechten Nachdenken zu bringen. Anders war es nnt mir; der tiefe Schmerz, meine Eltern zu verlieren, ist mir nicht erspart worden; allein ich eickannte auch, daß aus der Unglückszeit, die ich zu durchleben hatte, ein sicherer Halt mir hervorwuchs, der mich vor einein gänzlichen Untergänge bewahrte. Ich hatte gute Ucenschen gesunden, die sich meiner annahmen, sie waren es, die mir das traurige Los des Waisenkindes auf vielfache Weise erleichterteil uild erträglich machten." „Wie ko.imlen Sie aber dabei nnt Gott in Berührung," siel Lindenberg Rodenhein in die Rede. „Das war das Werk guter Brenschen, denen sie in undankbarer Weise das Verdienst fchiiläleril, weilil Sie das Ihnen durch sie gewordeiie Gute auf Gott übertragen." „Das ist eiil falscher Schluß, und Sie würden zu diesen! ilicht gelangt senk, hätten Sie mich ausredeil lasten. Jene guteil Ucenschen handeln ilicht ailders als im Gefühl der Ehrfurcht vor Gott, zu deffeil Ruhm uild Heiligung jene Stiftung geschaffen, in welcher ich uild meiil Bruder ein Asyl gesunden hatteil. Denkeil Sie doch all uilseril Landessürsteil. Er hat seine Vertreter iin Reiche, die alle in seinem Namen handeln; würdeil Sie diesell Vertretern ein Uiwecht thun, weinl Sie deil Schutz, der Ihnen zu teil wird, aus deil Laildessürsten zurücksührteil?" „Das ist etwas Anderes, Gott braucht feinen Vertreter, er kann alles selbst thun." „Das kailil er, allein er muß die Welt so leiteil, wie es für uils Blenschen verstäildlich uild begreiflich ist. Und wir Blenschen, wieviel all Veredluilg erlangeil wir ilicht dadurch, daß uils Gott zu feinem Werkzeuge braucht; wie hoch steigen wir dadurch ilicht inl Railge über die übrigen Geschöpfe? Gott öffnet ilicht die Schleusen des Himmels, mil Hülfe zu sendeil, aber er thut dies durch gute Blenschen, wodurch diese in ihrenl Werte gehobeil werdeil." Lindeilberg schwieg. Noch lange saßen beide nebeneinander uild besprachen das begoimeile Thema, während die übrigen Passagiere sich bereits zur Ruhe begeben hatten. Sie faßen iloch, uild um sie her hatte die Nacht ihren dmlkleil Scheiil ausgebreitet; aber feinen beängstigenden unheimlichen Flor, sonderil die liebliche Hülle des Friedens, wie er voll dem Sternenheer hennedersprach uild in deil duilklen Fluteil des weitgedehnten Bleeres sich wiedelffaild. Es war sehr spät, als auch sie sich zur Ruhe begabeil. Die Fahrt der Sphinx war bisher eine durchaus glückliche gewesen. Einige Unailllehiillichkeiten, wie Nebel und widrige Wiilde, kanleil ilicht in Betracht. Ulan hatte bereits den Weildekreis durchschnitten, als eines Tages das sonst spiegelglatte Bleer unruhig wurde. "Kein Wölkchen am Himmel hätte ein bevorstehendes Unwetter an gekündigt. Nichtsdestoweniger brach ein innner heftiger werde,lder Sturm los. Längere ^>'it ließ der Aapitän die Passagiere auf denl Verdecke; als aber im Süden drs Himinels einseines Ge-