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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 13 (1895) · p. Seite 203

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
13 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 203 (sequence 11)
Language
German
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— 203 — Einen Tag vor Beendigung der schule wurde ich von meinen Eltern mit der Nachricht erfreut, daß wir die Osterferien zu einer Reise benutzen wollten. Unser erstes Reiseziel war wünchen, wo wir uns aber leider nur kurze Zeit aufhalten konnten. Nachdem wir eine Rundfahrt durch die Stadt gemacht und die sehenswürdigsten Gebäude und Denkmäler betrachtet hatten, fuhren wir zur Bavaria, die außerhalb der Stadt, auf der Sendlinger höhe errichtet ist. Die Bavaria, die Schutzgöttin Bayerns, ist ein herrliches Standbild, welches von Professor Schwanthaler entworfen und von seinen Schülern ausgesührt worden ist. Sie stellt eine deutsche heldenjungsrau dar. In der rechten Hand trägt sie ein Schwert, während sie die linke Hand mit einem Lorbee:ckranze über ihr Haupt erhebt; an ihrer Seite ruht der bayrische U)appenlöwe. Eine Treppe im Innern des wonuments führt nach dem Kopfe, der einen solchen Umfang hat, daß bequem vier Leute darin h>latz haben. Auch sind in ihm mehrere Löcher vorhanden, von wo aus man eine sehr schöne Aussicht über München und Umgebung genießt, hinter der Bavaria befindet sich die Ruhmeshalle, in der alle berühmten Männer Bayerns durch Büsten verewigt sind. Bon München fuhren wir weiter über 6cn Brennerpaß in das herrliche Südtirol. Die Fahrt war wundervoll, und ich werde dieselbe niemals in meinem Leben vergessen; bald ging es bergauf, bald bergab, durch minutenlange Tunnels an Abhängen vorbei, zu unfern Füßen das wunderschöne, malerische Eisackthal, überall riesige Schneeberge und Gletscher. Mit einein Worte: es war geradezu berauschend, und ich konnte mich an dieser Fracht nicht satt sehen. Ich mußte immer Gottes Güte preisen, daß ich so wundervolles sehen durste. So fuhren wir weiter bis Meran, öicfcm wunderschön gelegenen Kurort, hier schon bot sich unfern Blicken die üppige, südländische Pflanzenwelt dar. wir wandelten unter blühender: Lorbeer-, Kirsch- und Mandelbäumen; dort war es im April so warn:, wie bei uns im Juli. Nach kurzen: Aufenthalt, den wir in Bozen nahmen, fuhren wir nach Riva. Diese Stadt ist die einzige österreichische an: wunderbaren Gardasee, obwohl die Bevölkerung nur italienisch spricht. Der Gardasee ist der größte der oberitalienischen Seeen. Seine ganze Schönheit konnten wir erst errnessen, als wir ihn seiner ganzen Länge nach durchfuhren, hohe Berge, teils noch nnt Schnee bedeckt, wechseln ab mit lieblich gelegenen Orten, einer der schönsten von diesen ist Gardone, den wir zu kürzerem Aufenthalte wählten, hier und in der Umgegend wird der Titronenbau sehr stark betrieben, und aus diesen Ortschaften sollen ungefähr vier Millionen jährlich versandt werden. Ueberall sieht :nan große Titronenhaine, die nnt ihrem hellgrünen Laube wunderbar von den dunkeln Typressen abstechen. Nur schwer konnten wir uns von dieser herrlichen Umgebung trennen. Nun wandten wir uns Mailand der stolzen und vornehn:en Hauptstadt der Lo:nbardei, zu. Ja, stolz und vornehm sind die richtigen Worte. Ich rief laut aus voller Kehle: „Evviva Itaüa“. Natürlich suchten wir zuerst die Hauptsehenswürdigkeit Mai-

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