Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 12 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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öic Ketten abgenommen. Um den pals ist er mir gefallen, sein Meib ist vor mir aus die-Knie gefallen, und die Kinder haben mir die Füß' küssen wollen, — und geweint Hab' ich, als wenn Gol-Nidre*) gewesen war', . . . Sie können sich nit denken, was für Freud' der Mensch gehabt hat." „O Freund Atagdeburger!" rief der Primator bewegt, „ich kann mir's ganz gut denken! — aber wieso kommt es, daß niemand erfuhr, daß Sie den unschuldig Gingekerkerten gerettet haben?" „Rehling hat mir gemußt Handschlag geben, daß er niemandem nir davon erzählt." Frankl sah den dummen Mann, den großen Rkeilschen gerührt an und versank in tiefes Sinnen. Nachher sagte er: „Mas haben der geistliche Herr und der Griminalrichter gesagt, als es Ihnen gelang, dem Verbrecher ein umfassendes Geständnis zu entlocken?" Magdeburger dachte einen Augenblick nach. „Ja — ich erinnere mich, der geistliche Herr hat mir auf die Achsel geklopft, als wenn wir Bruder und Bruder wären, und hat gesagt: Gr hat ein Meisterstück gemacht, dafür verdient er eine Auszeichnung." Diese Auszeichnung ist unserm Leb Magdeburger in — nach seinen bescheidenen Wünschen — hohem Maße zu teil geworden, die zunächst in der Vechicherung des Primators Frankl bestand: „Ich bin von jetzt ab Guer bester Freund. Ich habe Euch achten und schätzen gelernt, und ich hoffe, Ihr werdet meinen Morten glauben. Alsdann wurde ihm vom Knir>*:;:) und vom Beth-Din'^) der „Ghower" f) verliehen. Schließlich wurde er der — für die streng-gläubigen Juden — hohen Ghre teilhaftig, am Roschhaschonostf) Schosar blasen zu dürfen. Aus diese Meise erfüllten sich seine sehnlichsten Münsche, nämlich, „etwas in der Khillastf?) zu werden." ^Magdeburger war nun plötzlich im Ghetto ein geachteter Alarm geworden, und bald übertrug man ihm in der Gemeinde eine große Oahl von Ghrenstellen, die allerdings weder Misten noch Klugheit, dagegen strenge Redlichkeit und Vertrauenswürdigkeit erforderten. Alan übertrug ihm die Kassiererstelle in der Altneusynagoge, die der Beerdigungsbrüderschast und die des Armenkinderlehrhauses. Da der Oberstburggras, Gras Lazansky, ihn dem ganzen hohen Adel als einen streng redlichen Mann empfahl, erweiterte sich fein Kundenkreis in solcher Meise, daß er seine Dieste ausschließlich Mitgliedern des hohen Adels und Beamtenstandes widmen konnte; Kubitschka, der oberstburggräfliche Portier, war der einzige Kunde, den er aus den untergeordneten Kreisen behielt. Gr that dies aus Dankbarkeit; er behauptete, wohl mit Recht, dieser hätte durch die Empfehlung an die Oberstburggräsin sein Glück begründet. — Gr überlebte alle Personen unserer Grzählnug mit Ausnahme feiner Frau und Kubitfchka's jüngster Tochter. In einem hohen und glücklichen Alter entschlummerte er sanft in den Armen seiner greiser: Gattin, die als treues Meib ihrem vielgeliebter: Gatten bald nachfolgte. *) Vorabend des verföhnnnastages. — Oberrabiner. — ***) Rabbinatseollegnrin. — f ) Lin »Ehrentitel, der rom Rabbinate verliehen wird. — fr) Ulenjahr. jft) Gemeinde.