Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 12 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 182 nach Hause, daß er wieder XDeib und Rind redlich ernähren kann, wird er dein Weib und deine Rinder auch nit verlassen. Du weißt ja, wie dein Weib hat krank gelegen, und du hast einen basen Finger gehabt und hast nix arbeiten und nix verdienen können, hat er deinen: Weib nit jeden Tag wanne Supp' und ein Stück! Fleisch und sür das kleinste Aind wanne Ulilch und für die anderen wanne Aleider und Holz zun: Heizen geschickt? — Leugne es ab, wenn du's kannst! du Ulisrabliger! zun: Dank dafür willst du ihn unglücklich machen?!' — Und wie der Gefangene nur auf die Grd' runtersieht und mir nit ins Gesicht sehen kann, ruf ich die beiden Herren her und sag: -Hochwürdiger und gnädiger Herr! Sehen Sie, er hat ein schlechtes Gewissen' — und nickten beide mit dein Ropf: daß ja! und jetzt bin ich gar in die Hitz' gekommen und schrei ganz laut: ,Ist das ein Spaß, einen ganz unschuldigen, braveil, kränklichen 2TCamt so zuzurichten? Der Wann stirbt iin Rerker, er frißt sich feilt armes Herz ab, fein XDeib geht zu Grunde mrd überlebt das Unglück und die Schand' nit — dann sind seine Rinder Waisen, und wenn die zu Gott im Hinimel hinaufschreien, so wird er's hören, so wahr als er Himmel und Grde geschaffen hat, — und wenn du wirst einst vor Gottes Thron treten, vor dern wanderbaren, albnächtigen Gotte, an den wir alle, Juden uiid Thristen glauben, — wenn du vor dem allmächtigen, allwissenden Gotte stehen wirst — das ist noch ein ganz aiiderer Richter, als der menschliche, der ja doch nur Fleisch und Blut ist, — wenn dich der Richter mit seiner Donnerstimme fragen wird: -Warum hast du den: Wanne, der dir Gutes gethan, mit Bösem vergolten? Warum hast du den Wenschen unschuldig, mutwillig in den Rerker gebracht und seinen Leib und seine Seele zu Tod' gequält, sein U)eib zur Witwe, seine Rinder zu elenden, unglücklichen Waisen gemacht?' U)arum hast du das gethan? warum!? Sag's! ... Du hast gestohlen, geraubt, eingebrochen in einer Rirche, wo du deinen Gott anbeten, verehren thust— das verbrechen Haft du gebüßt, das will ich und kann ich dir verzeihen — aber Wensch! warum hast du deinem wohlthäter Gutes mit Bösem vergolten?' Da wird es dir nix helfen, trutzig auf die Grd' zu sehen und zu schweigen, da —wirst du reden müssen!'-Auf einmal fährt der Gefangene auf, wie wenn Gottes Blitz in ihn hineingeschlagen hätt' und schreit . . . und fängt an zu weinen — und dann sagt er die ganze reine Wahrheit." Der Primator war tief erschüttert. „Was hat er dein: gestanden?" frug er nach einer Pause. „Die Sache war so: Der Wann seiner verstorbenen Schwester hat ihn beredet, den Ginbruch zu machen, und hat auch die Sachen bei sich aufgehoben, aber damit keiner auf ihn verfallen soll, hat er ihm, wie man ihn arretiert hat, geschwind zugeflüstert, er soll alles auf den Juden schieben, dafür wird er fein Weib und Rind ernähren, und zuletzt hat der Lump den armen verlassenen Leuten gar nix gegeben, und wie man ihn — dem Schwager nämlich — der eine waldschänk' gehalten und auch ein Wilddieb war — überfallen hat, hat man alle gestohlenen Sachen gefunden ..." „Und der Schwager, der Hehler?" „Ja Hehler!" schrie Wagdeburger ärgerlich, — „er war Hehler und Stehler, er hat mit eingebrochen, — aber wie die Rommission zu ihm ins Zimmer getreten ist, hat er sich eine Rugel durch den Ropf gejagt." „was geschah nachdem der Verbrecher sein Geständnis abgelegt hatte?" „Der Rat nahm ein Protokoll auf. Ulan hat dem armen Rehling gleich