Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 12 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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$ic meinetwegen den Herrn Eriminalrat dabei sein. Sagt der Oberstburggraf: Eigentlich soll ich gar nichts in diese Sache Hineinreden, diese geht Seine Excellenz, den Herrn Appellationspräsidenten an/ — indessen Sie wissen, Herr Primator, der Oberstburggras ist in Böhmen, was Sie bei uns in der Gemeinde sind; was er will, das geschieht, und so hat er mich zu Rehling ins Gefängnis gelassen, nur der Rriminalrat ist mitgegangen." „Das ist höchst interessant," ries Frankl, den einfachen Wann fast mit Bewunderung anblickend, „was haben Sie mit ihm gesprochen?" „Erst gar nichts, denn die Thränen sind mir über die Backen gelaufen, wie ich den braven Wenschen Hab' gesehen in eisernen Retten, als wenn er ein wild' Tier wär' — ein Wensch, der in seinen: Leben keinen: das Wasser getrübt hat, dann sag' ich zu ihm: -Schwör' mir, daß du unschuldig bei der Sache bist? — Sagt er daraus: -So wahr wie ich will einst niekabbel pne Sch'cbino seinH — ich bin unschuldig? — nun Herr Primator, ist der Wann schuldig?" „Was hat der Bat dazu gesagt?" „Werden Sie es glauben, daß der Richter, der an: n leisten hat geschrien, daß Rehling die gestohlenen Sachen gekauft hat, aus einmal wankelmütig geworden ist. Endlich frag' ich Rehling: -Du Unseliger, was hast du um zwölf Uhr in der Winternacht auf der Gast' zu thun gehabt?^ — Sagt er: -Das errätst du nit? es war die letzte Nacht, wo man hat noch können die Lewone mekadesch'-H sein? Wie hernach der Rat hat im Aalender Nachsehen lassen, ist richtig herausgekommen, daß es die letzte Nacht war, und es ist auch herausgekommen, daß in allen vorhergehenden Rächten der Himmel umwölkt gewesen ist. Reb Eisik Rehling ist ein sehr frommer Wann, der mit aller Gewalt* *5ch die Wizweh) hat erfüllen wollen." „Das ist merkwürdig! — aber warum hat er das nicht beim Verhör angegeben?" „Er hat's ja gesagt, aber man hat es ihm nicht geglaubt. Nachdem ich nun eisenfest überzeugt war," fuhr Wagdeburger fort, „daß Rehling ganz unschuldig war, Hab' ich gebeten, man möcht' mich mit dem Einbrecher auch reden lassen, und sehen Sie, Herr primator, der Eriminalrat selbst hat gesagt, man soll's erlauben, nur will er und der Gefängnisgeistliche dabei fein." „Sie können sich nicht denken, wie lebhaft mich diese Erzählung interessiert, und wie ich Sie mit jedem Augenblicke höher schätzen und achten lerne," sprach Frankl, „also weiter, wenn's gefällig ist." „Der Gefangene war ein böser, stnsterer, trutziger Wensch. Erst hat er mich von sich gestoßen, mit den Retten nach mir geschlagen, aber ich bin nit erschrocken und bin nit gewichen von ihm, und Hab' in ihn hineingered't, ich kann's gar nit verzählen,.-'wie! . . . und böhmisch Hab' ich mit ihm reden müssen, weil er kein Wort deutsch verstanden hat . . . Ich Hab' ihn: gesagt: -Schau! was hast du davon? Du weißt ja gut, daß Rehling nit hat von dir das gestohlene Rirchengut gekauft, was willst du von dem unschuldigen Wenschen? Hat er dir je ein Wasser trüb' gemacht? Du wirst bestraft so wie so — wenn du aber die Wahrheit sagst, wirft du um ein oder zwei Jahre weniger Straf' kriegen und kannst eher zu deinem Weibe und deinen Rindern nach Hause konnnen, und wenn du die warheit red'st und Rehling wird frei und konunt *) vor Gottes Herrlichkeit erscheinen. - Venediktion über den Neumond sprechen. — ***) lim jeden preis. — f) Religiöse llebnng, pflicht.