Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 12 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/9620171-9621231-9621430--0211-9621434- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
180 „Da muß Ihnen dorZsWlWPO^abbiner wohl herzlich gedankt haben?" „lDoher soll er wissen, oäßbck"seinetwegen mit dein Oberstburggrasen geredet Hab'?" srug ^Magdeburger ganz verwundert. „Das ist noch nit so schwer gegangen, aber Tisik Behling, wie ich den aus d^m^ Trimiizql bcf^it^ Hab', das hat große Arbeit gekostet." - f- Der s?rnnator sah DIagdeburger groß an, cx begcknn nicht"vor Mn einsachen dmmnen Aundschastsgeher, — aber — vor den: Menschen mit dein großen edlen Kerzen Respekt zu bekoiinnen. „U)enn ich nicht irre", nieinte er, „war dieser, ein Goldschmied, sälschlich als Hehler bei einem großen Rirchendiebstahl angeklagt?" „Ja, — aber ick habe den DIenschen genau gekannt, weil wir beide als arme Rnabeu im Rinder-Beth-hamidraschH gewesen sind." „Ich bitte Sie, lieber ^Magdeburger", ries Frankl, „iiehiiien Sie doch Hlaft und erzäblen Sie inir das ganz umständlick. D)ie war das mit dein Rehling?" „Das war so. In der Iungbunzlauer Rirche war nächtlicherweise eingebrochen und ein großer Diebstahl begangen worden. Alan hat den Dieb endlick erwischt, aber man hat nur noch einen Teil der eiitwendeten Gold- und Silbergeräte bei ihm gesunden. Rcun hat inan den Rlenschen schrecklich mißhandelt und geschlagen, damit er gestehen soll, wem er die andern gestohlenen Sachen verkauft hat, uild da hat der Dieb endlich gesagt, daß er sie an Rehling vertäust hat, — da ist gleich eine große Rommission hinaus gekommen, hat den unschuldigen Rlenschen überfallen, und gleich ist er eingesperrt worden." Frankl runzelte die Stirne. „Hat man denn etwas bei ihm gesunden?" „Air haben sie gefunden," ries Alagdeburger eifrig, „aber Rehling ist ist der einzige Goldschmied in der Gegend, und das Unglück für den guten Alenschen war, daß ihn zwei ordentliche, glaubhafte Bunzlauer Bürger spät in der Aacht, in welcher man in der Rirche eingebrochen hat, auf einem freien Platze stehen gesehen haben." „Das ist in der That auffallend," sagte der j?rimator lebhaft. „Was fällt Ihnen ein!" unterbrach ihn Alagdeburger eifrig, „Reb Tisik Rehling ist ein ausgezeichnet braver Blensch! — man hat ja zuletzt gesehen, daß er ganz unschuldig war." „IDie so gelang es Ihnen, den Acann -zu retten?" „Gott ist mit mir gewesen, denn ich bin ja sonst gar nit so ausgespitzt," antwortete RIagdeburger mit rührender, treuherziger Bescheidenheit. „Wie ich erfahren Hab', daß man Rehling in Retten ms Triminal gebracht hat, bin ich gleich hinüber gelaufen zum Mberstburggrafen -und Hab' ihn mn Gottes willen gebeten, er soll nit erlauben, daß nnan den braven, schwachen Blenschen schlagen thut?H Dann Hab' ick ibnUebeken, daß er mick mit dem Gefangenen reden lassen soll." ‘ ' ' „Das wird der Oberstburggras wohl nicht gestattet haben, mit einem in Untechuchungshast Befindlichen darf niemand allein sprechen." „Ich Hab' ja nit gewollt allein mit ihm reden, ich Hab' gesagt: lassen *) Armenkinderlebrbaus. **) Dem untersuchenden Richter war gestattet, dein Angeklagten, sobald er sich in Widersprüche verwickelte/ als Strafe dasür, dass er gelogen, ^tockpriigel geben zu lassen. Diese Resugnis wurde oft mißbraucht. Diele Untersuchungsrichter ließen auch da, wo sie Verstocktheit nur vermuteten, ^tock sch läge verabfolgen.