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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 12 (1895) · p. Seite 179

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
12 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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179 Sie allein, ich mein' alle Christen — wissen Sie was Sie thun thäten? —- einen Aufstand möchten Sie machen, 'die Burg möchten sie stürmen! Weil wir nur wenig Juden im Lande sind, wollt Ihr auf uns herumtreten, als wenn wir Gassenkot wären! Wenn Sie wirklich jährlich zwanzig Prozent vom Vermögen Steuer nehmen wollen, und der Iud' soll sein Vermögen richtig angeben, so muß er ja ein Bettler werden und mit Weib und Rind verhungern! denn betteln können ja nicht alle Juden gehen — wer möcht' ihnen dann was schenken? — da wär's bei Gott noch besser, man sagt's grad' heraus: Man will allen böhmischen Juden auf eimnal ihr Vermögen nehmen. Sie sind doch kein Narr nit, gnädigste Txcellenz, denken Sie e bis! nach, und Sie werden sehen, ich Hab' recht, — ich bin auch nit der größte Ochs auf der Welt." „Was geschah weiter?" frug Frankl. „Am nächsten Tage sagte der Oberstburggraf freundlich zu mir: ,Magdeburger, Tr ist wirklich kein Gelehrter, aber gestern hat Tr recht gehabt, Tr hat den Nagel auf den Aopf getroffen. Ich habe nach Wien direkt an den Aaiser berichtet, daß strenge Maßregeln gegen die böhnnschen Juden ihren Zweck verfehlen würdeist — ich Hab mir seine Worte genau gemerkt — und vierzehn Tage darauf sagt er wieder: ,Magdeburger, Tr hat seinen Glaubensgenossen und auch mir einen großen Dienst erwiesen, es wäre das eine barbarische Maßregel gewesen. Der Aaiser hat jedes weitere vom Landesgubernium vorgeschlagene Vorgehen gegen die Juden verboten, — und daß Tr Wort gehalten und das Geheimnis treu bewahrt hat — gefällt mir ausnehmend gut von ihm." „Da haben Sie uns in der That einen großen Dienst erwiesen, für den wir ihnen sehr dankbar sein müssen," meinte Frankl, indem er lebhaft Magdeburgers Hand ergriff. „Aber Sie müssen wirklich einen großen Tinfluß auf Seine Txcellenz ausüben." „Der thut mir alles zu Gefallen — das mit dem Ienikauer Rabbiner werde ich ihm mein Leben lang nit vergessen." „Saß der nicht im Aerker?" „Freilich, der brave, feine Mann hat sich, wie der Oberstburggraf sagte, gegen das Landesgesetz vergangen. Tr hat mehrere Brautpaare getraut; die Bräutigame waren Zweit- und Drittgeborene, und hätten nach dem grausamen Landesgesetz ewig ledig bleiben müssen.*) Ts waren brave, gute, sittliche Menschen, denen das Amt draußen das beste Zeugnis gegeben hat, der Rabbiner hat sie getraut, obwohl sie vom Landesgubernium keine Bewilligung erhalten hatten, und dafür hätt' er fünf Jahre im Triminal sitzen sollen. Ich Hab' die Geschichte erzählen hören und bin gleich zum Oberstburggrafen hinübergelaufen. Da Hab' ich mir freilich die Oberstburggräfin zur f^ilfe nehmen müssen. Trst hat der Graf nix davon hören wollen, aber nach langem Reden und Weinen hat er fich wieder direkt an unfern Aaiser Josef gewendet, — das ist ein Stück Zucker von e Malchus**), — in vierzehn Tagen war vom Aaiser ein Trlaß da, und drinnen hat gestanden: Ich befinde zu verordnen, daß die Untersuchung gegen den Ienikauer Rabbiner sofort niedergeschlagen, derselbe aber eindringlich ermahnt werde, sich in der Folge genau an die gesetzlichen Vorschriften zu halten." *) Ls war in Böhmen und Mähren nur den erstgeborenen Juden gestattet zn heiraten, alle andern waren zur unfreiwilligen Ehelosigkeit verdammt. **) Regent, Monarch. 12*

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