Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 12 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/9620171-9621231-9621430--0209-9621432- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
178 Der lümbfchaftsgeher.) (Schluß.) Redlichkeit und Treue finden immer ihren §ohu. Ulit dem scharfen Blick eines wahren Uicilschcnkeuucrs hatte der Oberstburggras unfern Ruudschaftsgeher beobachtet, und nachdem feine Gemahlin ihren Bericht über den ganzen Borgaug beendet hatte, haftete fein Blick mit Wohlwollen, ja mit Bewunderung an dem schlichten brauen Ulauue, der sich trotz allen Druckes, trotz aller unverdienten Berachtuug ein biederes Herz, ein redliches, edles Gennit bewahrt hatte. R'b Blagdeburger wurde des Grafen „Hausjud'" und genoß auch feine Gunst im vollsten Umfange. Als Günstling des mächtigen ^randes- Thefs wäre es ihm ein leichtes gewesen, sich die größten Borteile zu verschaffen. Aber er blieb bescheiden und selbstlos und gebrauchte die Gunst seines hohen Gönners nur, um seinen bedrängten Glaubensbrüdern zu helfen?"-') Hierzu einige Beispiele, die wir unserm freunde in seiner Unterredung mit dem Drimator Lrankl abgelauscht haben. Denn nur diesen: hat er — und nicht ohne Beranlassung — seine „Gutthaten" erzählt, die uns erkennen lasten, daß der unbedeutende Ulan:: kein unbedeutender Ulensch war. „Tinmal", so erzählte Ulagdeburger, „vor vier Uconaten hat jemand eine Ukessire***) eingebracht, daß alle Guden ihr Bermögen zur Gudensteuer zu gering angegeben haben, und ein Gubernialrat hat angetragen, es soll eine Rommission alle großen jüdischen Raufleute überfallen, und wenn man sieht, daß sie zu wenig angegeben haben, soll ihr ganzes Bennögen vom Staat eineingezogen werden, und der Angeber soll zehn Prozent davon bekommen." „Warum habt ^hr mich nicht gleich davon in Renntnis gesetzt?" srug Frankl in höchster Spannung. „pZu was? wenn Tiner etwas beim Oberstburggrasen ausrichtet, bin ich's — und dann hat er mir verboten irgend einen: Ukenschen etwas davon zu sagen. Tr hat mich gefragt über das Bermögen von den: und jenen:, zun: Beispiel, wie hoch ich Tie an Berinögen schätze . . . Ich frag' war:::::? und er erzählt nur die ganze Geschichte, aber ich Hab' ihn: versprechen n:üssen, daß ich niemandem nix erzähl' . . . nu Hab' ich aber n:ein Ulaul lausen lassen: Was?! Hab ich geschrieen, ist das erhört worden feitden: Gott die Welt beschaffen hat? fünfzehn Prozent soll der Iud' jährlich Bermögensstener zahlen, von allen: Trdenklichen, von Tilber und Gold und Hh'Aiosen, und von faulen Tchulden, für die er nit einen Rreuzer kriegt, das n:acht ja bei manchem jährlich dreißig Prozent seines Bermögens aus! ist das ein Gewissen? Und Tie :::einen wickliR, Txeellenzleben, daß der Iud' kann sein Bermögen zur Iudensteuer richtig angeben? Was thäten Tie, gnädigste Txcellenzleben, wenn Tie dreißig Prozent Bennögensfteuer zahlen sollten? ^)ch n:ein' nit '-) Mach: S. Hohn „Prager Ghetto Milder". Ifcint ihr, liebe Rinder, größer seid, dann wöget ihr die „Prager Ghettomilder von 5-. Rohn." lesen. Die Erzählung „Leb Magdeburger" findet ihr dort in prächtiger ausführlicher Darstellung. Die bewundern!?- und nachahmungswerten Eigenschaften unseres Magdeburger treten'dort im herrlichsten Lichte vor unser Auge. Die Lektüre dieser Erzählung bereitet einen wirklichen und dauernden Genuß. Der Israel. Jugend frennd muß sich in der Wiedergabe derselben aus das hier Dargebotene beschränken, da er mit Meginn des neuen (Quartals euch eine — andern Lebenskreisen entnommene — lehrreicbe und unterhaltende Erzählung bringen will. ***) Dennneiation.