Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 11 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/9620171-9621231-9621413--0203-9621426- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Schein warf auf das elende Lager, auf welchem eine arme, kranke Frau ruhte. Vor ihrem Bette kauerte ein kleiner Ailabe von \2 Jahren. Amts Augen hingen begierig an den Lippen der Aranken, die mit der Hand mild über feineir Aopf streichend, leise zu ihm sprach: „Ach! hole mir deil Arzt, sonst lnuß ich sterben! ulid was soll dann aus Dir werden, Du armes Aind!" Wohl blickte der Ailabe mit stiller Angst durch das Feilster in die hereinbrechende Nacht; doch da schieil ein Heller Stern zu ihm herüber, wld hatte ihnl feine Amtier nicht erzählt voil deiil Vater im Himmel, der über den Sternen wohilt uild doch auf ihn, den kleineil Anaben, acht habeil würde, wenn er nur gut uild sroinm bliebe? Tntschlosseil sprailg er aus, drückte iloch eiileil zärtlichen Auß aus die schinale liebe Hand seiner Akutter wld eilte zur Thür hiilaus. Schnell griff er noch zu seineil hiersteheildeil Schlittschuheil, schnallte sie um uild fort ging es in Windeseile dem nächsten Dorfe zu. Tr wußte, daß eine gailze Strecke der jetzt zugefrorenen Wasserstraße zurückzulegeil hatte, ehe er das Haus des ihiil wohlbekanilten Arztes erreichte. Wohl wurde die Nacht iiinner duilkler, ein dichter Nebel iilachte ihiil die nächste Umgebung iloch unkenntlicher, aber er hielt die eiilgeschlageile Aichtuilg ein uild lies mutig weiter. plötzlich staild er still. Bergebeils dürchspähte fein Auge die dunkle Nacht; er konnte nichts mehr erkennen, uild mit einem Aml wurde ihiil klar, daß er seineil Weg verfehlt haben iilüffe. Wohin sich weildeil? Neberall gleiche Finsternis, die selbst voil keinem Steril inehr erhellt wurde. Der Nebel hatte sie verhüllt. Tille nantenlofc Angst erfaßte des Anaben Herz; scholl wollte er in Verzweiflung hinsinken, da tönten jene Worte des Tilgels ail fein Ohr, die teilte arme kranke Amtier ihnl iloch gestern zugerufen: „Fürchte Dich nicht! „Fürchte Dich nicht! so klmtg es auch jetzt in seinenl Znneril, „auch Dich sieht Dein Vater im Himmel. Tr wird Dich ilicht verlasseil!" Schweigeild blickte der Anabe entpor, — wld siehe, kam da ilicht wieder ein lichter Steril aus der Dunkelheit hervor? „Dent will ich nachgehen", dachte Aurt, „er wird nlich recht führeil! Froher Amt wld feste Zuversicht kanleil nt fein Herz; nun wußte er, daß auch ihil der liebe Gott uicht verlassen würde. Was vernahnl fein Ohr? Tr ging dent Gesänge ntehrerer HHännerftimmen nach, der aus jener Hütte fommcit mußte. Die Thür stand offen. Der Ailabe trat ein. Als eine kurze Paufc eiltstaild, erblickte einer der Amtroseil deil ^Kleinen und ein freundlicher bärtiger Alann trat aus ihn zu: „Was willst Du mein Aind, was führt Dich hierher? — Wit stockender Stimme, aber nlit offenenl Blick erzählte Aurt seine Geschichte wld bat, ihnl zu sagen, ilach