Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 11 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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174 welcher Richtung er die Wohnung des bekannten Dr. <£. suchen müsse. „Ach! Du armer Junge! Wie weit ab bist Du von dem Wege gekommen! Doch sei nur unbesorgt, wir lassen Dich nicht so allein weiter gehen, Einer von uns wird Dich begleiten." Und nach mehrsachein hinuild herreden bot sich ihm ein stattlicher Watrose an, ihm den Weg zu zeigen. Wit Thränen des Dankes nahm es Kurt an. Sic gingen schnelleil Schrittes durch die duiikle Nacht, doch immer wieder srug der Wann 6cn Kleinen nach seiner Wutter mld wie sie mit einander lebten. „Dort ist unsere Hütte!" rief da plötzlich Knrt aus. „O, laßt iilich einen Augenblick hineiiltreteil, um Wutter über mein langes Ausbleiben zu beruhigeil!" Schweigend folgte ihm der Aildere unbenlerkt. Da sah er, wie fein kleiiler Freund auf ein ärmliches Lager zueilte, auf dem eine blaffe Frau ganz still mld regungslos lag. Er beugte sich über sie, — dann sank er laut schluchzeud an dem Bette nieder. Seine Wutter war tot. Er hatte in der Dunkelheit den Weg verfehlt, einen so weiteil Umweg geiilacht, daß er jetzt wieder zu dein Hause des Doktors bei seiner Hütte vorüber nrußte, da war cs zu spät. Der liebe Gott hatte iildes feine Wutter zu sich genommen. Win war er allein, ganz allein auf der weiteil Welt! War er 6eitn wirklich ganz verlasseil? Eiile sanfte Hand legte sich auf seine Schulter: „Koiiliir mit mir", sagte eine tiefe vor Beweguilg zitternde Stinliile, „ich will Dir Vater und Bruder sein!" Da schaute der Knabe thräneildeil Auges auf, legte feine Hand in die ihnr dargeboteile des Wannes und schmiegte sich an ihn. Eine leise Stiiiune in seineiir Imleril aber sprach: „Fürchte Dich ilicht! Deiil Vater im hüinnel hat Deiile Not geseheil uild hat Dich ilicht vergessen!" — Der Watrose ilahm den Knaben von Stund ail zu sich uild liebte ihn wie sein eigenes Kind. Berlin, den 8. Juni 1895. Lieber Arthur! Deine Briefe habeil mir immer Freude bereitet, weil sie Deiile Wißbegier verrateil. Du hast inir aber in Deinen letzteil Briefeil eiile Wenge Frageil voll so weitgeheilder Bedeutuilg vorgelegt, daß ich es für eine ailgeilehme Pflicht halte, einige derselben der Reihe ilach zu beailtworteil. Deiile Klagen darüber, daß Du einen nach Deiner Auffassung iilailgelhafteil Religionsmlterricht geiloffen hast und in letzter Zeit überhaupt öiefeit Unterricht entbehren mußt, steheil leider ilicht vereinzelt da, sie sind mir voll mehreren Seiten zugegangen. Aus diesenl Grunde will ich Dein Anfragen an dieser Stelle be-