Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 10 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/9620171-9621231-9621396--0180-9621403- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
„Gut — also (Euer Mohlgeboren Frau Gberstburggräfin, ich habe die Gnade mich uuterthäuigst zu enlpsehlen!" „Gin sonderbarer Mensch, das!" uieinte die Gräfin, nachdem Magdeburger gegangen war. „Gr macht den Eindruck eines ziemlich dummen, aber trotzdem verläßlichen, ehrlichen und vorfichtigen Menschen aus nnch, — aber Anna, du mußt ihm sagen, wie er mit mir zu sprechen hat, daß er nrich ganz einsach ,Excellenz* anzureden hat . . . der hat ja die albernsten Titulaturen zusannnen gewürfelt, — ich habe manchmal das Lachen verbeißen nrüffen." Die Schloßthurmuhr hatte längst fünf geschlagen, und unser Freund Magdeburger, der nwrgens den Schmuck wom sortier abgeholt hatte und pünktlich um vier Uhr erscheinen sollte, hatte sich noch immer nicht eingestellt. Die Gräfin begann unruhig zu werden. „Anna," sprach sie zu den: Aammennädchen, „ob wir nicht doch einen dmnmen Streich genracht haben, den Schmuck dem Juden anzuvertrauen? — wenn er mit dem Schmucke oder mit dein Gelde durchginge, wäre mir dies höchst unangenehm. Vox allem wäre ich wegen meines Bruders in peinlichster Verlegenheit, ich wüßte in der That nicht, wo ich bis nwrgen, wo er seinen Ehrenschein einlösen muß, das nöti^d Geld verschaffen sollte; dann würde uns der Iud' noch auslachen — denn verfolgen könnte ich ihn doch nicht — ich würde ja dadurch verraten, daß ich Hintenn Bücken und gegen den Millen meines Geinahles, meinen lieben leichtsinnigen Bruder uiüerstützen wollte . . . Sehr unaiigeilehm!" „Excellenz können vollkoiinnen ruhig sein", meinte Anna, „mein Bruder kennt den Magdeburger ganz genau." Aber auch das Aammennädchen war unruhig geworden, sie fühlte, daß sie sich mit ihrer Empfehlung eine schwere Verantwortlichkeit ausgebürdet hatte. Sie trat an das Eckfenster, von welchein aus man den ganzen kleinseitner Bing überseheii konnte, und blickte in die beginnende Dämmerung hinaus. „Excellenz!" rief sie plötzlich erschrocken, da konuiit Magdeburger, aber drei Aolizeileute begleiteil ihn, — zwei gehen ihm zur Seite, der dritte geht zwei Schritte hiilter ihn: uiid jagt die Bubeil weg, die mitlmtfen wollen . . . um Gotteswillen, was ist da vorgefallen?!" Die Oberstburggräfin erblaßte. „Der Mensch hat vielleicht mit dem Schmuck oder denl Gelde durchgehen