Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 10 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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152 wollen, die poltet hat Witterung bekommen, ihn festgehalten und kommt nun Erkundigungen einziehen . . . das wäre vollständig mißlungen! Da würde ja mein Gemahl alles erfahren! . . . aber in diesem Falle wäre die Polize^ wohl doch so rücksichtsvoll gewesen, ihn dort sestzuhalten und einen höhern Beamten herzuschicken." Auch die Oberstburggräfin trat nun zum Fenster und sah aus den Ringplatz herab. „Gs ist ,nerkwürdig, wie langsam der Alensch geht, — wie eine Schnecke, und d( '-e 'acht er und unterhält sich mit den Polizeileuten, — ich vergehe vor Unged...- Anna, spring' hinunter und sage dem Jäger Franz, das ist ein pfiffiger bursch, er soll sich erkundigen, was da eigentlich vorgeht . . . aber Anna, es versteht sich von selbst, du fragst, als wenn du neugierig wärst." „Zu Befehl, Gxcellenz!" rief das Aammeranädchen und eilte hinunter. Bon Neugier und Angst gequält, öffnete die Oberstburggräfin trotz der Aälte das Fenster und steckte den Aops aus demselben. Die Gruppe hatte sich dem Palais bis auf etwa dreißig Schritte genähert, und die Oberstburggräfin konnte auch deutlich das Gespräch des vor dem Thore stehenden roten Franz mit bem Kammermädchen hören. „Ah was!" sagte jener, „der» schäbige Iud' . . . der bei euch wie's Kind im Haus ist, wird halt was gestohlen oder jemanden betrogen haben und wird jetzt arretiert — Gr muß schon ein Kapitalverbrechen begangen haben, weil drei Wann mit ihm gehen, sie führen ihn halt aus die Wachtstube, ich will gleich hingehen und ihn mit einigen freundlichen Worten begrüßen," fuhr der Jäger boshaft lachend fort. Aber plötzlich änderte sich das Bild in überraschendster Weise. Als nämlich die Gruppe denn Thore anlangte, setzte Wagdeburger — vorerst stolz seine schwarze Hornbrille aus die Nase, dann zog er drei Silbergulden aus der Tasche, gab jedem der drei Polizeileute einen davon, und diese legten, mit einem zu jener Zeit Juden gegenüber ungewöhnlichen Respecte, die Finger salutierend an die Hellne. „Ich danke Ihnen schönstens, nieine Herren Polizeien, vor die Begleitung", sprach Magdeburger, „hier bin ich ganz sicher, gehen Sie in Gottes Namen!" Der rote Franz wußte sich das nicht zu erklären, auch Anna nicht, und diese attnete erleichtert aus, und auch die hohe Dame im ersten Stocke ward *° beruhigt und schloß rasch das Fenster.