Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 10 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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150 „So komm' (Er morgen um vier Uhr her und bring' (Er mir's, — verstanden? Ulein Gemahl speist morgen beim Fürsterzbischof, dessen Namenstag niorgen ist, und ich erwarte ihn nicht vor Abend. Sollte mein Gemahl gegen alles Vermuten während Seiner Anwesenheit konnnen und Ihn hier treffen, so sagt Gr: ich habe ihn wegen Seidenstoffen, die ich kaufen will, herbesohlen — verstanden?" „Warum soll ich das nit verstehen?" meinte der Kundschastsgeher empfindlich, „Sie reden ja deutsch mit mir, (Euer Wohlgeboren Blajestät, — aber wissen Sie, hoheitleben Frau Oberstburggräfin, ich laß den Schmuck bis morgen früh hier — zu was soll ich über Nacht die Sorge haben, morgen früh hol' ich mir ihn beim Herrn sortier Kubitschka, und niorgen um vier nachmittag ..." plötzlich stockte er, plötzlich überkam ihn ein Gedanke, er hatte die (Empfindung, als wenn er mit einem Topfe siedenden Wassers begossen würde, ein nervöses Zittern durchlief seinen Körper . . . Magdeburger besaß keine natürlichen Anlagen, aber er besaß die Klugheit der (Erfahrung. „Allergnädigste wohlgeborene Frau Hoheit!" sprach er, „Sie befehlen geruhigst, ich möchte die Gnad' haben und gütigst das Ulaul halten und nit sagen, wem die Brillanten gehören — ich hoff', Zappert wird mir glauben, er wird mich gewiß nit fragen — aber wenn er mich doch fragt, wenn er wissen will, wem der Schmuck gehört! — So wahr' ich leb', wenn ich da nit schnell e Antwort aus der Zung' Hab', Wolf Zoppert is im Stande, mich einsperren zu lassen , . . freilich, er wird mir trauen, denn er kennt mich als braven Ulenschen, und dann sind wir auch e bis! verwandt mit einander . . ." Die Oberstburggräfin schüttelte energisch den Kops, um anzuoeuten, daß ihr das Verwandtschaftsverhältnis schon genügend klar sei. „Aber wenn er doch fragt, was geb' ich ihm zur Antwort?" Die Oberstburggräfin dachte einen Augenblick verdrießlich nach. „Wenn es möglich ist, daß Gr dieser unbequemen Frage aus dem Wege geht, wär' mir's an: liebsten . . . freilich es ist nur angenehm, daß Gr's an einen jüdischen Juwelier verkaufen will, der ist wenigstens verschwiegen, — also wenn Ihn der Zappert fragt, woher Gr den Schnmck hat, so sagt Gr, der Dragonerlieutenant Gras h>achta hat Schulden, und um sie zu bezahlen, wird der Schnmck seiner Großtante, der Gräfin Ledebour verckaust — das darf Grganz ruhig sagen, das ist auch buchstäblich wahr — aber sag' Gr denr Zappech er soll es keinem Menschen weiter erzählen."