Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 10 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9620171-9621231-9621396--0177-9621400- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
148 „Excellenz, ich bringe den Wann, den l)ochdieselben herzubefehlen geruhten," und zog sich in einen Winkel des geräumigen Salons zurück. Die Oberstburggräfin, Gräfin §azanskv, war eine stattliche Frau von etwa achtunddreißig Jahren. Sie blickte den Kundschastsgeher einige Sekunden prüfend an, dann frug sie: „Wie heißt Gr?" „David §eb Blagdeburger, Euer Wohlgeboren gnädigste Frau Oberstburggräfin!" Diese lächelte ein wenig. „Er weiß wohl, um was es sich handelt, jd) will einen Schmuck verkaufen, aber der Käufer darf nickst erfahren, von wem er herrührt, auch weiß ich nicht, welchen Wert er besitzt — verstanden?" „Warum soll ich das nit verstehen?" gegensragte nach seiner Gewohnheit der dumme Kundschastsgeher, „Sie müssen nur so gut sein, meine liebe Frau Oberstburggräfin, mir den Schmuck mitzugeben, ^ch will Sie nit betrügen, und Sie wollen mich nit betrügen, Hab' ich nicht ganz reckst? und verstehen thun mir Beide nix, was der Schmuck wert is, is nit wahr? ^)ch werd' also gehen zu Wolf Zappert, der is ein seiner braver Dcensch und ein großer Juwelier, er is verwandt von mir, warum? weil sein Obervetters Stiefsohns zweite Frau is ein Geschwisterkind von meinem Großvater gewesen — der betrügt uns um feinen Kreuzer ..." „3d) werde 3^m öen Schmuck hereinbringen," unterbrach ihn die Gräfin. Während diese in das Nebenzimmer ging, trat das Kammermädchen rasch an den Kundschastsgeher heran. „Uni Gottes willen," flüsterte sie, „was haben Sie für eigentümliche Blanieren! Sie sprechen ja, als wenn Sie mit, ich weiß nickst wem, reden würden. Sie müssen stets sagen: ,die Gnade haben/ ,geruhen zu wollen/ und stets derartige Aedeformen gebrauchen; auch wird die Frau Oberstburggräfin mit dem Tit . . ." Anna wurde in ihrer wohbneinenden Belehrung unterbrochen, die Gräfin trat wieder ein. Leb Magdeburger bildete sich ein, in der Unterhaltung mit der gütigen und herablassenden Dame ein hervorragendes Aednertalent zu bekunden. Auch glaubte er durch seine nahe Verwandtschaft mit Wolf Zappert der Oberstburggräfin ungeheuer imponiert zu haben. Deshalb schien ihm der Tadel des