Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 9 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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135 sich!" . . . Magdeburger spie höchst unmanierlich und ungalant weit weg von sich, „ein so schönes Mädel und schon so . . . so . . ." Magdeburger war weder ein kluger Mensch noch ein gewandter Redner, und da er nicht das paffende Mort sand, seinen Satz zu vollenden und seine volle Entrüstung auszudrücken, so brach er plötzlich ab und schwieg. „Aber was fällt Ihnen da ein?! Ihre Excellenz braucht Geld und s* will's dem Excellenzherrn nicht sagen! ... Sie will einen alten Schmuck ver- - ' kaufen!" Magdeburger wurde jetzt rot wie ein Truthahn, dem inan ein Scharlach- K\ tuch vorhält. (Er hielt diese Behauptung für einen fortgesetzten schlechten Scherz ^. und fühlte sich tief verletzt, daß man ihn, David Leb Magdeburger, für einen ♦,»? solchen Esel halte, dem man geradezu das dumme Zeug einreden könne: Die t Frau Gberstburggräsin von Böhmen brauche Geld! Er sprang wütend auf, . setzte, aller guten Lebensart trotzend, im Zimmer fctucit dreieckigen Hut — vor Zorn windschief — auf und schrie wie besessen: f „Das Hab' ich nicht um Euch verdient — und daß Sie, Herr Aubitschka, bei dein Theater initspielen, verdrießt mich noch mehr! . . . Ein jwiges Mädel!" er zuckte verächtlich mit der Achsel nach der Gegend wo Aniia saß, „was kann ich von ihin verlangen? aber Sie, 6cn ich treu und ehrlich bedieil'! Sie sollten sich aus nur ka solchen Spaß machen! freilich," fuhr er mit giftiger Ironie fort, „die Gberstburggräsin, die arme Frau nebbich*) braucht das Geld! auf was braucht sie's? auf Brot für ihre Ainder? oder auf Holz zum heizeil? oder auf Schuh, weil ihre zerrissen sind? Sie iimß ihren Schiiluck verkaufen! . . . uild wenn sie ihren Schumck verkauft," fuhr Magdeburger im Eifer der Entrüstung förmlich zu einem Redner ausartend fort, „wird sie iiach David Leb Magdeburger schickeil, was da hiiltell hiilaus im dritten Stock am Dreibrunnenhaus wohilt? oder wird sie iiach Richter, Grohiilailil oder eiilem andern christlichen Juwelier schickeil? he?! — und wenn sie einen Juden haben will, so ist Mols Zappert da in seinem eigenen Hause am großen Ring,**) — bei dem kaufeil alle großeil Herrschaften wld sogar der Aaiser, wenn er hier ist, uild — ich versteh' keinen Schiimck! Besser soll ich voll Freuden wisseil, als ich weiß, was Brillailtell wert siild ... ja e Minterrock, e Aasten, e Lustre, e Meerschawilkopf — in solchen Sachen bin *') Lin Ausdruck des Bedauerns. — **) Dieser war der einzige Jude in j)rag, der ^das j)rivilegium besaß, außerhalb der )udenstadt ein Baus zu besitzen und dort sein Geschäft zu betreiben.