Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 9 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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134 „Kommt herein ins zweite Zimmer, meine Schwester folfs Euch selbst sagen." Magdeburger trat in das zweite Zimmer, wo ihn Anna, die jüngste Schwester des Portiers, erwartete. Sie wav Kammermädchen bei der Gberstburggräfin und hatte schon die Wonnen des feinen Umganges, den sie täglich vor Augen sah, angenonnnen und sprach: „Herr Magdeburger, rnein Bruder rühmt Sk als einen ehrlichen, vertrauenswürdigen Geschäftsmann und als einen verschwiegenen Menschen. Es handelt sich um ein Geschäft für eine sehr vornehme Dame. Sie sollen bei demselben einen anständigen Prosit machen oder, wenn Sk die Sacfye nicht selbst kaufen können oder wollen, für die Mühe des Verkaufes gehörig bezahlt werden — wollen Sie das?" „Warum soll ich nit wollen?" entgegnete Magdeburger, der es liebte mit Gegenfragen zu antworten. „Also kommen Sie um vier Uhr nachmittags her — da sind wir allein iui Hause, der Excellenz-Herr ist auf die Jagd gefahren und hat einen Teil der Dienerschaft mitgenommen, die Lakaien und Bedienten haben nachmittags Kirchengang, — so wird außer uns Kubitschka's" — Anna lachte — „keiner im Hause sein, der Bruder schickt sogar die Marie weg, und es kann daher alles hübsch geheim bleiben." Magdeburger wurde mißtrauisch, er zog bedächtig seine Dose aus der Tasche, nahm verlegen eine Prise, räusperte sich und sprach: „Es ist doch nix Krummes? Mamsell Anninko, in so was laß ich mich nit ein! es is doch alles redlich und ehrlich? — was?" „A)as fällt Ihnen denn da ein, Herr Magdeburger!" rief das Mädchen vor Zorn erglühend, „was schwätzen Sie denn da? Ihre Excellenz, die gnädige Frau Oberstburggräfin, wird doch wohl nichts Krummes Vorhaben?" Die Prise Tabak, die Magdeburger zwischen der: Fingen: hielt, entfiel seiner zitternden Hand, er blieb vor freudigen: Schrecken und vor angenehmer Ueberraschung wie versteinert sitzen. Aber plötzlich, verfinsterten sich seine Mienen, es fiel ihm ein, daß sich das Mädchen nur einen Scherz mit ihm erlauben könne, und er sagte ganz verdrießlich: „Mamsell Anninko, fangen Sie auch schon mit solchen Dummheiten an? haben Sie das vielleicht vom Jäger Franz gelernt? S'e schicken in der großen Kält' die Mamsell Marinko nach mir, as*) ich soll herüberkommen, — as Sie sich wollen einen Spaß aus nur machen! . . . pfui Teixel, schämen Sie *) Daß, damit.