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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 8 (1895) · p. Seite 118

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
8 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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Rotköpfl, der Jäger Franz — ein Hanpttaschkasch *) wie mich der erblickt, spottet er mir nach und thnt mir, wo er mir kann, gebranntes Herzleid an, freilich wenn ich schon einmal drinn beim Portier sitz', is mir wohl, das is e Zucker von c Mensch' sag' ich dir! Unlängst verehrt er mir ein Glas Punsch. ,Macht nur Euren Segenssprnch', sagt er, und weil mein dreieckig Hütel nit gleich bei der Hand war, setzt er mir geschwind seinen großen Paradchnt mit der schweren goldenen Borte, der ans dem Tische liegt, ans den Kopf,**) ich Hab' mich im Spiegel eingesehen, er hängt grad' dem Tisch gegenüber, ich Hab' lachen gemußt und doch Hab' ich e Freud' gehabt, wie ich ansgesehen Hab'," der dumme David Leb lachte noch bei der Erinnerung vor Vergnügen, „aber," fuhr er dann nachdenklich fort, „wenn er nit gar so e braver Mensch wär' — ich ließ ihn doch lieber laufen, — man hat zu viel Herzabdrücknng in dem Hans! — Unlängst wie ich drüben war und ans dem Portierzinnncr heraus geh', kommt gerade der Wagen des Oberstbnrggrafcn angcfahren, und der springt heraus, ich zieh" ganz höflich mein dreieckig Hüte! und sag': ,Gnt' Morgen und gut' Jahr, Herr Oberstburggrasleben!' Was meinst du, sagt er dazu? Hält' er geschwiegen, gar ka Antwort geben, as wenn e Hund bellet — auch recht! aber er sagt: ,Halts Maul!' Hast du so etwas dein Lebtag gehört? und der rothaarige Jäger Franz, der am Wagenbrett steht, zerlacht sich ... es mar noch ein groß' Glück, daß Kubitschka nit dabei war, vor dem hätt' ich mir gar die Angen ans dem Kopf heransgeschämt." „Das ist wirklich ein großer Verdruß!" rief Dina, die ihren dummen Mann herzlich liebte, „aber weißt du was?" (Dina war auch unwissend, aber sie besaß wenigstens natürlichen Verstand). „Vielleicht hast du ihm nicht den richtigen Titel gegeben, du hättest cfschcr***) sagen sollen: Allergnädigsier Herr Oberstbnrggras, oder Euere Majestät, wohlgeborenc Hoheit, oder etwas eine andere Feinheit — und darüber ist er brogesch) gewesen." Gerechte Vorwürfe berühren mn schmerzlichsten; Magdeburger hatte seiner Frau ans Eitelkeit den ganzen unliebsamen Vorfall bis hellte verschwiegen, wo der plauderhaste Mann endlich den ihn bedrückenden Kummer durch Mitteilung an seine Frau teilweise von seiner Seele wälzen wollte; aber in dem Augenblicke, wo ihm Dina mangelhafte Kenntnis des feinen Umgaugtoncs vorwarf, schien es ihm selbst schier so Halbdunkel zu bedünkell, daß seine Begrüßung dl» Oberstburggrasen sich in der That nicht den strengen Gesetzen der Etikette angeschmiegt hsitte, doch sagte er niit einem geringschätzigen Achselzucken grimmig und trotzig: - „Wie soll ich denn mit ihm reden? Soll ich zll ihm sagen: gnädiger König, gnädiger.Kaiser? — er ist ja doch nur Oberstbnrggras . . " „Nur Oberstbnrggras!" schrie Dina ganz erschrocken, „er ist an des Kaisers *) Schelm, jüdisch-böhmisch. — **) Die Juden verrichten ihre Gebete mit bedecktem Haupte. — ***) Vielleicht. — f) Erzürnt, »öse. -

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