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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 8 (1895) · p. Seite 117

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
8 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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117 was bringen Sie uns Gutes?" So sprechend schob die kleine, runde, bewegliche Frau einen Stuhl für den Gast zun, Tische. Marinko errötete vor Bergungen über den freundlichen Gmpsang und über das artige Compliment. „Der Vater! und die Muttcrl lassen sich schön empfehlen und grüßen, und der Herr David Leb möcht' bissel hinüberkommen," sprach das Mädchen mit böhmischem Accente. „Ja, mein Kind, ich komm' gewiß — was will denn der Vaterl, wissen Sie's nicht, Mamsell Marinko?" „Weiß ich nicht, — aber kommen Sie bald, bevor der Vaterl in die Kirche geht, es ist wichtig, hat der Vaterl gesagt und Mutterl auch . . „Haben Sie schon gefrühstückt, 'Mamsell Marinko?" frag Frau Dina mit meisterhafter Zungengeläufigkcit, „und wenn auch! — der weite Weg von der Kleinfeite über die Brücke macht recht hungrig, kommen Sie, Mamsellinko, trinken Sie noch ein Schalerl Kaffee mit uns." Mamsell Marinko sträubte sich zwar, aber Frau Dina blieb so vollständige Siegerin, daß Mamsell Marinko zwar nicht das Schlachtfeld, aber doch einen Teller Kuchen, — Überreste vom Samstag, ursprünglich zur Jause bestimmt, — den die gastliche Hausfrau ihr vorsetzte, vollständig räumte, und den Kuchen mit drei Tassen guten Kaffee befeuchtete. Um sie zum Heimwege 'zu stärken, schenkte ihr Frau Magdeburger noch ein Gläschen seinen Ligueur ein, das Mariuko verschämt austrank. Dann leckte das Mädchen mit seinem Züngelchen seine frischen Lippen ab, machte einen hübschen Knix und empfahl sich. „Neugierig bin ich, was der Portier von mir will," sagte Magdeburger zu seiner Frau. „Vorige Woche war ich erst drüben, von einem Geschäft ka Gedanken, aus einmal soll ich hinüberkommen. Ich Hab' den Kubatschck sehr gerne, ein seiner, choschcwcr*) Mensch, - aber der einzige brave Mensch im ganzen Haus. Der Szor**) selbst, der Oberstburggraf, is doch ein Szone Jisrocl***) - - Keinen Juden kann er vor sich sehen, und e alt' Sprüchwort sagt: Wie der Herr so der Knecht! Alle Lakaien, der Kutscher, der Jäger, der Koch, der Büchseuspauner — alle sind Neschoimch) — nur der Kubitschka, der Portier nit, ah-! der soll hundert Jahre leben, an dem habe ich, unbeschriecn, eine schöne Kundschaft, schade, daß er bei einem solchen Herrn dient, wenn ich hinüber geh', zittcr' ich immer vor More."chch) „Warum, David-Leb-leben?"ftt) srug Dina zärtlich besorgt. „Ich Hab' dir's schon gesagt, weil alle drüben Reschoim sind! Da ist ein *) Würdiger. — **) Cavalier. So bezeichnele der Jude damals jeden Höhergestellten vom kleinsten Beamten bis zum Minister, vom Unterlieutenanl bis zum Feldmarschall. — ***> Judenfeind. — f) Söffe Menschen, namentlich Judenfeinde. — 11) Furcht. — 111) Lieber David-L>.

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