Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 8 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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115 täglich! — kann kein Mensch gesund bleiben. Merke dir deshalb das Mort von Goethe, dem größten deutschen Dichter: „Mrdnung lehrt dich Zeit gewinnen." Schon hieraus siehst du, daß man doch manchmal an seinem Unwohlsein selbst schuld ist; ich will dir aber das nächste Mal zeigen, daß du für deine Gesundheit noch viel inehr thun kannst. ' .... ■ * Nrr Runöschafibgrher?) / ' ■ * Vorbemerkung der Redaktion: . . „ Die hier folgende Erzählung zeigt euch ein lebenswahres Bild ans dem letzten Viertel des vorigen Fahrhnnderts. Um diesem eigenartige Gemälde ungetrübt vor unseren Blicken erscheinen zu lassen, haben wir die Personen mit allen ihren Eigentümlichkeiten, mit ihren Vorzügen und Schwächen anftreten lassen. Daraus erklärt es sich, das; wir den Hanpthelden unserer Erzählung die Sprache reden lassen, die ihm seinem ganzen Wesen und der Zeit nach, in der er lebte, eigentümlich ist. * * Wißt 'Ihr was ein Kundschastsgeher ist? Nicht! — Gut, so wollen wir's Euch erklären. Zn der Zeit, in der unsere Geschichte spielt, waren die Juden in Oesterreich, Böhmen, vorzugsweise aber in Prag fast ausschließlich auf den Handel angewiesen. Eine eigene Art von Geschäftsleuten bildeten die „Kundschastsgeher". Es waren dies Handelsleute, die keine Warenlager hielten, nur das kauften, was sie für ihre Kundschaften brauchten, und diesen alles, was sie benötigten, ins Hans brachten. Die Zahlung für die gelieferten Waren empfingen sie teils in Tauschwerten, teils in kleinen monatlichen oder wöchentlichen Raten. Ein richtiger Knndschaftsgeher mußte alles Erdenkliche herbeischaffen, ja er war, wenn er mit seinem Geschäftsfreunde auf gutem Fuße stand, dessen Freund, Berater, zuweilen sogar sein Gewissensrat. Wenn der Hausvater einen Winterrock, die Mutter Ohrringe, der Sohn eine silberne Uhr brauchte, war es der „Hansjnd'" — so wurde der Knndschaftgeher von seinen christlichen Geschäftsfreunden bezeichnet — der alles das anstreiben mußte und als starke ä Conto-Zahlung einige alte Schlafröcke, ein heiseres Spinell, ein unbrauchbar gewordenes Jagdgewehr, einen pensionierten kupfernen Waschkesscl, wohl auch etwelche Mäusefallen oder andere mehr oder weniger nützliche Gegenstände zu mäßigen Preisen annahm und den Nest in wöchentlichen Natenzahlnngen erhielt. Da, wo der KundschcZgeher nicht nur Hausjnd', sondern auch Hausfreund war, wurde seine Hilfe auch bei allen möglichen Veranlassungen in *) Nach: S. Äohu „Prager Ghetto-Bilder". 8*