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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1936-07-01 · 10 (7.1936) · p. Seite 120

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
11 (1936)
Issue
10 (7.1936)
Date
1936-07-01
Page
Seite 120 (sequence 4)
Language
German
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Seite 120 Nr. 10 ein seltener Fall. Die Leidenschaften und die Leiden, unter denen fast jedes Leben traumartig zerrinnt, geben den Stoff von Saars Novellen: Ehrgeiz, Jagd nach einem Scheinglück, verzehrende Glut der Sinne, die sich über Recht und Pflicht, Treue und Gewissen hinwegsetzt, der Sieg von harter Klugheit über den stillen Adel der Seele, das Zerbrechen an der neidischen, boshaften Umwelt, schmerzliches Entsagen, trotzige Abkehr von den Menschen, trostlose Leere bei gesellschaftlichem Prunk — und — immer wieder — Abschied von den Geliebtesten. Erlösend, meist aber sinnlos trennend und vernichtend, geht durch die Novellen der Tod, dem der Dichter im eigenen Schmerz ständigen Verlierens zugerufen hatte: „Grausam bist du, o Tod! Jene, die unser Glück sind und unser Trost, raffst du dahin unerbittlichen Hippenschwunges — und am liebsten schliessest du mild blickende Augen.'1 Die kleinen Einzel Schicksale, die scheinbar unbedeutenden Lebensläufe, die Saar als Erinnerungen des Begegnens erzählt, sind bei aller Verschiedenheit durch ein einheitliches Gefühl verbunden: sie sind Teile von dem ganzen Weh der Erde. Und für alle die schwachen und sündhaften Menschen schlägt das ITerz des Dichters, sodass auch dem Leser die in Elend und Schuld Gesunkenen nicht gleichgültig bleiben. Denn alle Wesen der Welt als Leidende zu erkennen und dadurch zum Mitleid zu kommen — auch diese Forderung Schopenhauers entspricht ganz dem Wesen Ferdinand von Saars. Er fühlt sich mit allem, was lebt und atmet, innig verwachsen und eins, er hat Verständnis für Unglückliche, und die Armen und Einfachen stehen ihm am nächsten. Diese teilnehmende Menschenliebe, die unausgesprochen Saars Erzählungen erwärmt, aber auch die sinnliche, blutvolle Kraft seiner Darstellung, die Schlichtheit seiner Sprache, der Reichtum der Bilder, besonders der grossartig gezeichneten Frauengestalten, die stimmungsvolle Schilderung von Landschaft und Hintergrund, — das alles lässt dem, der die „Novellen aus Österreich" einmal gelesen hat, immer wieder zu ihnen zurückkehren. Man weiss nicht, welche Erzählung man als die beste herausheben soll. Man kann so viele rühmen. Da ist Saars erste Novelle Jnnocens, die wundervoll das „Läuternde des grossen Schmerzes zeigt, der die Seele zwingt, ihr Tiefstes zu sammeln". Fr. Th. Vischerrhat dem jungen Dichter, der ihm das Werkchen geschickt hatte, geschrieben, er habe mit reinem Genüsse den Jnnocens gelesen, „ein Jdyll geistiger Art, darin alles auf stille, tiefe Charakterwandlung zielt". — Da ist die Novelle Marianne, von der Marie von Ebner-Eschenbach in einem Brief an Saar begeistert urteilte: „Die liest man so bald nicht aus, auch wenn man sie wie ich mehrere Male gelesen hätte. Es steht viel in dem kleinen Büchlein, womit man überhaupt niemals fertig wird, worüber man immer von neuem nachdenken muss. Ganz wunderbar ist das Wort: ich habe gelernt, entsagend zu geniessen. Niemals ist ein Dichter einer Goetheschen Frauengestalt näher gekommen, als Sie mit ihrer Marianne". Packend ist Leutnant Burda, eine Tragödie der Selbsttäuschung und des Ehrgeizes. Eine Meistergestalt aus Saars Geschichten, einen unverlierbaren Charakter der Erzählungskunst des 19. Jahrhunderts, nennt Bettelheim den Helden der Novelle Seligmann Hirsch. Von der Geschichte Schloss Kosteniz war eine feinsinnige Freundin des Dichters so entzückt, dass sie ihm schrieb: „Gäbe es doch mehr solcher Werke, die einen wirklich aller Misere und aller Banalität des Lebens zu entrücken vermögen". Und das gilt noch heute für Saars Schöpfungen, deren Reichtum hier nur angedeutet werden kann. Die Juden im Werk des Dichters Uns Juden sollten die Novellen, auch die Gedichte Ferdinand von Saars nicht fremd bleiben. Der Dichter ist sein ganzes Leben lang mit Juden in Freundschaft verbunden gewesen. Jüdische Gelehrte, Dichter und Kritiker haben ihn früh anerkannt, sind ihm Förderer und Helfer geworden. Mit Wärme hat sich Leopold Kompert für ihn eingesetzt; Moritz Hartmann, Karl Emil Franzos, Salomon Mosenthal, Joseph Weilen, Emil Reich haben mitgewirkt, um ihm den Weg zu ebnen. Der Altphilologe Theodor Gomperz und des Literarhistoriker Anton Bettelheim haben ihm mit feinem Urteil und mit treuer Liebe als Freunde und Berater zur Seite gestanden. Arthur Schnitzler, Julius Jakob David, Hugo Salus und viele andere haben sich dankbar zu Ferdinand von Saar bekannt. Im Hause Gomperz, bei den Brüdern Max, Julius [ Empfehlenswerte Geschäfte in Frankfurt a. M. | — _ __ajj BESTECKE TAFELGERÄTE MODESCHMUCK MfM9 Limonaden^ \ . :} WoIle,Seide,Waschgewebe Kauftmanim SEIDEN-PARADIES an den Hauptwache im Hause Cafe Wien gSina 'ervlce amjxwiTjm 7-ug.ab 245 Louis^Simon KAISERSTRASSE't Kaiser.tr. 4 Eisservice |Kühl schränke Kleinmöbel (aller führenden Fabrikate preiswert und gut! L . EPSTEIN Schillerstrasse 2 Jetzt Modifdie, leichte Sommerunterwäsche Aparte Sommerkrawatten Schöne Sporthemden „ELBE O"!t°rum£fe hnmer die neuesten Farben MÖBCl UDll P0lSlßriflij|]8l f1ndenAsfeWinn2oßerAuswnahl ^ehrpreUw^rtTei HEINE & COi Inh. Hugo Seligmann, GrUnaburgweg No. 123 Beliehen Sie sich bei Ihren Einkäufen auf das Mitteilungsblatt! 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