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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1935-06-01 · 10 (6.1935) · p. Seite 115

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
10 (1935)
Issue
10 (6.1935)
Date
1935-06-01
Page
Seite 115 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Seite 115 ALBERT HERZ Frankfurta.m. Internationale Spedition Gutieutstr. 31 Tel. 30576 Palästina-Transporte - Auslands-Umzüge _• Verpackung — Versicherung - Sammelladungen grüßten Gelehrten darinne übereinkommen, dass keine einzige andere Uebersetzung die natürliche und erste Bedeutung der hebräischen Wörter genau so ausdrücke als diese". Und weil Lessing bei jedem Buch auch den Menschen, der daran gearbeitet hat, miterleben will, weil er immer Vergessene hervorzieht und Verkannte verteidigt und rettet, so tadelt er es, daß im Gelehrtenlexikon über Samuel de Cazeres nur unvollständig und unverständig berichtet wird, daß man die mannigfaltige Arbeit des Mannes und die Art seines Todes übergangen hat. Lessing weist auf die jüdischdeutsche Bibelübersetzung des Josel Witzenhausen hin. Er führt in seinen Randbemerkungen zu Jöchers Gelehrtenlexikon einen Druck von Raschis Bibelkommentar an. Die Veröffentlichung aus Werken des klassischen Philologen und Hebraisten Reimarus bringt Lessing wieder zu dem „Verständigsten aller Juden", zu Maimonides, und macht ihn mit dem schönen Ausspruch des Weisen bekannt, daß auch der Ger Toschab, der eingesessene Fremdling, der sich von Vielgötterei und Abgötterei fernhält und den wahren Schöpfer des Himmels verehrt, Anteil hat an der zukünftigen Seligkeit. Wenn Lessing durch Zitate in den „Papieren des Ungenannten" auf jüdische Literatur hinweist, wenn er sie in eigenen Arbeiten nennt — den Talmud, das phantastische Geschichtswerk des Joseph ben Gorion, die Midraschsammlung Jalkut Schimoni, den Pflichtenkatechismus Leckach tob, ein Maasebuch und manches andere — so spürt man, daß es sich hier nicht um ein Auskramen antiquarischen Wissens handelt, sondern daß Lessing aus den alten Büchern lebendige Werte für sein Denken und Ringen finden will. Lessing in seiner Wahrhaftigkeit, in seiner Ablehnung von eitlem Gelehrtenprunk betont es immer, wenn er sich nicht seihst einmi TWiff von pinnro Ru^ ^Hnfft lirf n~ ^n-»r nicht als Quelle werten kann. So etwa bei der Erwiderung an einen Theologen, „der im Sohar und anderen midraschischen Büchern die deutlichsten Spuren von allen christlichen Glaubensartikeln will gefunden haben." Lessing hat die angeführten jüdischen Werke nicht gelesen; darum sagt er vorsichtig und scharfsinnig zugleich: „Wenn das wahr ist — was ich nicht beurteilen kann, — so waren die Verfasser besagter Bücher zuverlässig keine eigentlichen Juden, sondern es waren Juden-Christen, welche ihre christlichen Ideen in die Propheten hineintrugen aber nicht aus ihnen herholten." Es ginge weit über die Grenzen eines Aufsatzes hinaus, wollte man sich nicht mit einer ganz kleinen Auslese aus Lessings jüdischen Studien begnügen. Das vortreffliche, aufschlussreiche Register, das den Bau der grossen Lessingausgabe vollendet und krönt, wird — das Schlusswort des letzten Bandes sagt nicht zu viel — in der Ausdehnung seiner Umschau auf Lessings reiche wissenschaftliche Arbeit ein wertvolles bibliographpisches Hilfsmittel der Gelehrtengeschichte überhaupt bleiben. Aus diesem Lebenswerk ist die Erwähnung und Würdigung jüdischer Literatur nur ein ganz bescheidener Ausschnitt. Aber auch für dieses Gebiet kann aus der neuen Ausgabe und ihren Registern noch auf manches wichtige Problem neues Licht fallen, so auf die bedeutungsvolle Frage nach Lessings Verhältnis zu Spinoza. Vor allem kann die Stellung Lessings zu Juden und Judentum in all ihren Einzelheiten nun nach den klaren und vollständigen Hinweisen des Registers treu erfasst und dargestellt werden. Nicht eine Anwaltschaft für das Judentum ist es, was die Lessingausgabc quellenmässig zeigt, wohl aber ein grossartiges Verstehen, eine Anteilnahme mit Kopf und- Herz, die Lessing der jüdischen Literatur ebenso entgegenbringt, wie den einzelnen Juden, die ihm nahetreten. Aus beidem, aus der Vertiefung in jüdisches Geistesleben wie aus dem Freundesbund mit dem Manne, der ihm das beste Wesen seiner Gemeinschaft verkörperte, aus beidem ersteht, in eigenem Leid und frommer Ergebung, dem Dichter Lessing die unvergängliche Gestalt des edlen Juden, dem sein Gott von allen Gütern dieser Welt das größte: Weisheit in vollem »ir ■ * ■ -■' »i ■ 1 11 ■ - 1 "" ■ ' 1 - iViaöS erteilt nat. Empfehlenswerte Geschäfte in Mainz Harnanalysen sowie alle anderen chemischen Untersuchungen schnell und zuverlässig durch Schwanen-Apotheke Mainz V^l^i Das grosse Spezialhaus BETTEN-BUCHDAHL MAINZ, Flachsmarktstr. 24 mit der größten Auswahl und den niedrigen Preisen. 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