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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1935-06-01 · 10 (6.1935) · p. Seite 114

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
10 (1935)
Issue
10 (6.1935)
Date
1935-06-01
Page
Seite 114 (sequence 6)
Language
German
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Seite 114 Nr. 10 dl* bekann» groB* 11 * T11.11A O I toll «« lo»n» fcsiioi W9i.u aufcwotu wsscki oaidinin Er hatte der Gestalt Eigenschaften gegeben, die er selbst gehabt, aber überwunden hatte. Auch Lessing war ein ganz in Büchern eingesponnener, dem Leben fernstehender Jüngling gewesen. Aber die Augen waren ihm aufgegangen. „Ich lernte einsehen, die Bücher würden mich wohl gelehrt, aber nie zu einem Menschen machen", schrieb er in dem gleichen Jahr, in dem „der junge Gelehrte" aufgeführt wurde, seiner Mutter. So vollzog sich bei Lessing eine Entwicklung, deren Grossartigkeit vor allem darin besteht, daß aufgeschlossenes tätiges Menschentum, frohe Teilnahme an Welt und Leben sich mit einem unermüdlichen, erobernden Lernen und Forschen vereinigt. Aus dem Studenten, der sich lachend von dem Staub einer unfruchtbaren Scheingelehrsamkeit befreit hatte, ward der Mann, der sich entdeckend und anregend die weitesten, verschiedenartigsten Gebiete geistigen Schaffens zu eigen machte. Der Spötter, der sich und anderen das Zerrbild des Büchernarren vor Augen gestellt hatte, ward der unvergleichliche Freund und Kenner der Bücher, der große Bibliothekar, der mit Scharfblick unbekannte Schätze ans Licht hob. Wer das in seinem ganzen Umfang überschauen, wer neben dem Dichter auch den seiner Zeit weit vorauseilenden Denker und Forscher Lessing erkennen will, der greife zu der nun abgeschlossen vorliegenden, vollständigen Ausgabe Lessings Werke in 25 Teilen. Deutsches Verlagshaus Bong & Co. Professor Julius Petersen und Dr. Waldemar v. Olshausen haben sie in vieljähriger Arbeit herausgegeben, zusammen mit einer Reihe von angesehenen Germanisten. Unter ihnen ist auch der ^.u^erej"tGemeind^ajjohlbekannte Studienrat Dr. Albert Hirsch; er hat den wichtigen Band, der Lessings Schriften zur deutschen Sprache und Literatur enthält, herausgegeben, eingeleitet und erklärt. Von Albert Hirsch sind auch Vorarbeiten für ein Register geleistet worden, das gerade bei der erstaunlichen Weite von Lessings Gedankenwelt unbedingt notwendig ist. Nun liegen, von Waldemar von Olshausen geschaffen, die beiden Registerbände vor, eine erstaunliche Leistung von bleibendem Wert. Keine tote Gelehrtenarbeit, sondern Bücher, aus denen der bahnbrechende Kritiker, der Gelehrte von überwältigendem Wissen ebenso wie der Sprachforscher und Sprachschöpfer Lessing lebendig vor uns tritt. Wer auch nur ein ganz kleines Gebiet der geistigen Arbeit Lessings, seine Beschäftigung mit jüdischer Literat u r, betrachtet, der empfindet dankbar, was die kritische Ausgabe des Bong'schen Verlages mit ihren abschliessenden Registerbänden auch hier bedeutet: sie übermittelt ein unverfälschtes BiJd von Lessings Liebe und Verständnis für jüdisches Schrifttum. Die Bibel hält ihn sein ganzes Leben lang in ihrem Zauber. Er studiert und beherrscht sie nacli Sprache und Geist, nach ihren kleinen und großen Zügen. Der Kämpfer und Wahrheitssucher Lessing verlangt eine philologische Bibelkritik auch deshalb, weil sie dazu führt, sich immer wieder in die heilige Schrift zu vertiefen. Einwürfe gegen biblische Dinge sind ihm nicht Einwürfe gegen die Religion. Aber dieses Forschen im Sinne der Aufklärung erfolgt bei Lessing voll Wärme und Ehrfurcht für das ewige Buch; er ist stolz auf die geringe Arbeit, mit der er so am Tempel Gottes beschäftigt ist. Der Kulturkenner Lessing würdigt die Bibel als Geschichtsquelle. Der Erzieher des Menschengeschlechts betont ihren unvergänglichen Wert für die sittliche Bildung der Jugend: der Pädagoge soll den Kindern früh aus der Bibel das vermitteln, was ihren Einsichten und Umständen angemessen ist, und soll so aus der heiligen Schrift die Grundlage aller Religionen schöpfen. Früh erschliesst sich dem künstlerisch und dichterisch empfindenden Lessing die Schönheit und die Weisheit des biblischen Schrifttums. Als der 14jährige Schüler in der „Glück - wünschungsrede" auf das Jahr 1743 dem Vater entgegentritt, der glaubt, dass die Menschen immer schlechter werden, und als er demgegenüber den Gedanken ausführt, dass die Menschen und die Zeiten sich gleichbleiben, da beruft sich der frühreife Knabe auf den Prediger Kohelet, „einen Zeugen, durch den der Geist der Wahrheit redet, den König, dessen Weisheit nicht nur ehemals die Welt bewunderte, sondern welchen auch jetzt noch Juden und Christen in tiefer Ehrerbietung verehren." Der gereifte Mann, der nun auch kritisch forschend die Bibel betrachtet, empfindet bei der Besprechung eines zeitgenössischen Gedichts, das sich seinen Stoff aus dem Buch Kohelet geholt, mit derselben Wärme die Unvergleichlichkeit des Orginals, „die edelen Bilder, die tiefsinnigen Anmerkungen über der Menschen Tun und Lassen und die vortrefflichen Lebensregeln, die man in den „S p r ü c h e n", in dem „Prediger" und in den, übrigen Büchern antrifft, welche gemeiniglich dem S a 1 o - m'o n züg^simn'eD^ wieder mit dem Buch H i o b, mit den Propheten, mit allen Büchern der Bibel; sie ist und bleibt neben dten Schriften der Antike die Grundlage seiner Bildung. Der Theologe und Sprachforscher Lessing hebt immer wieder die Wichtigkeit einer Kenntnis des Urtextes hervor. Der Sammler und Bibliothekar geht der Verbreitung der Bibel in den verschiedensten Sprachen nach, er macht mit wichtigen Ausgaben, Erklärungen und Uebersetzungen, mit alten hebräischen Drucken bekannt. Lessing verbessert ein berühmtes Gelehrtenlexikon seiner Zeit durch neue richtige Angaben über Abraham Usque und seine grossen Marannenbibel. Mit Liebe verweilt er bei der Ausgabe, die Samuel de Cazeres 1661 von diesem Werk besorgt hat, und sagt: „Ich sollte meinen, daß ein Theologe nur dieser Bibel zum Gefallen Spanisch lernen müsste, indem die Wiesbaden rr Ritters-Hotel" Taunusstraße 45 — Tel. 26370 Bevorzugtes Haus mit allem Komfort Ausführung von Hochreiten und Festlichkeiten. Ilblechkonstruktionen araqen * Stahltore Fahrradständer* Regale WolfNetter&JacobiUJerke Frankfurt a. M. Tel. 30026_ Taunusstr. 5 | BAD- TÖLZ KURARZT |DE R O SNE R WIESBADEN Kur noiei Kronprinz Das einzige jüdische u rituelle Haus m. eig. Thermalbäderantage Zimmer m Privalbad, W.G. u.Staatstelefon Jede Diät. Mäßige Preise Bes. R. Rückersberg. Qr. SätefUr Festlichkeiten u.Konfererzen Inserieren bringt Gewinn Dr. jur. 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