Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 8 (1933)
- Issue
- 8 (9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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bölfcnnifl darauf angewiesen ist, in bicfcm Gebiete weiterhin zil leben." Aber auch die bisherige verneinende Einwertnng, daß die Inden fremdbürtig sind, wird, das ist die unerschütterliche Ueberzeugung der deutschen Juden, der bejahenden Weichen müssen, daß diese Fremden seit vielen Jahrhunderten in Deutschland leben und nutzbar in das Gefüge des deutschen Lebens einznreihen sind. Eine halbe Million Menschen ist nicht einfach zu verneinen. Das eigene Staatswohl, die Achtung vor den Gesetzen der Humanität und der Blick ans die anßerdentsche Menschheit gebieten, den jüdischen Lebensranm so zu bemessen, daß er den Inden ein menschenwürdiges, ehrenhaftes Dasein sichert. Die deutschen Inden werden sich innerhalb dieses Lebensranmes häuslich einzurichten haben. Sie werden hier ihre Arbeit znm Segen der Gesamtheit leisten. Es wird ihre Ehre sein, daß ihre Arbeit dem deutschen Lande zum Heil und ihrem Judentum zur Achtung gereicht. Fern von Anbiederung, in stolzer Vertretung des jüdischen Erbes, gefestigt durch religiöses Selbstbewusstsein. gestählt durch das Verantwortlichkeitsgefühl einer scharf beobachteten Minderheit werden sie Juden und Deutsche in idealem Einklang sein. Staatssekretär Pfnndtncr hat am 4. Juli ein Gesetz über die Verleihung des Reichsbürgerrechts in Aussicht gestellt, das nicht verschenkt, sondern an die verliehen werden soll, die sich durch ihre Dienste würdig erwiesen haben, als Reichsbürger am deutschen Reiche mitznarbeiten. Die Erringung dieses Reichsbürgerrechts ist die Ehrenanfgabe der deutschen Jndenheit... Selbst wenn die Regierung bereits zu festen Entschlüssen über die weitere Behandlung der Indenfrage in Deutschland gekommen sein sollte, ist es die Pflicht der Reichsvertretung, die programmatische Anssprache zu eröffnen. Sie muß vor. dem Gewissen der deutschen Welt eindeutig klar das ungebrochene geschichtliche und fachliche Anrecht der Inden ans das Reichsbürgerrecht aussprechen, das sie seither besessen und dessen sie sich durch ihre Arbeit für Deutschland in Krieg und Frieden nicht unwürdig erwiesen haben. Sie würden sich vor ihren Nachkommen schänmn 'müssen, wenn sie wortlos auf dieses ehrlich erkämpfte und treu verteidigte Reichsbürgerrecht Verzicht leisten wollten. Die Inden werden offen und frei anerkennen, daß sich auch in ihrer Mitte, wie in jedem deutschen Volksteil, Menschen befinden, die sich gegen Recht und Gerechtigkeit vergangen haben. Das ist aber keine'Folge des Indeseins dieser Schädlinge, sondern die Folge ihres mangelnden Iüdentnmes gewesen. Jede Verallgemeinerung ist und bleibt ein Unrecht gegen die Majestät der Wahrheit. Jenen Schädlingen dürfen die Juden mit be cechtigtem Stolze die Tausende gegenüberstellen, die als gute Juden und zugleich als treue Deutsche ehrliche Arbeit für Deutschland geleistet haben. Flus den Derbanbsgemeinben. Tarmftadt. Am Sonntag, den 6. August 193.8 sprach in der Starkenburgloge Herr Jakob H e r z b e r g , Frankfurt a. M. in einem groß angelegten Referat über das Lebenswerk Theodor Herzls, vor größer Zuhörerschaft. Ter Vortrag, der von mnsikalischen Darbietungen und Rezitationen umrahmt war, hinterließ stärksten Eindruck. Lauterbach. Am ianj reekonnte die hiesige Gemeinde ans das 25jührige Bestehen ihrer Synagoge zurückblicken. In Anbetracht der Zeiten 'wurde von einer größeren Feier abgesehen. Im Morgengottesdienst wies jedoch Lehrer Max Stern in einer ^ständigen Festrede auf die Bedeutung des Tages hin. Er dankte dem Wellenlenker für den Schutz, den er dem Gotteshause und der Gemeinde in den vergangenen 25 Jahren, von denen der größte Teil ja Sturmjahre waren, angedeihen ließ. Er gedachte der Dahingegangenen der 25 Jahre, namentlich der Vorstandsmitglieder, unter deren Verwaltung das Gotteshaus erstand. Insbesondere richtete der Redner noch Worte des Dankes verbunden mit dem Wunsche weiterer Rüstigkeit an das älteste Mitglied der Gemeinde Herrn Siegmund Strauß, dessen Initiative das Gotteshaus fein Entstehen verdankt. In belehrenden, aufrichtenden, ermahnenden Worten wies der Redner die Gemeinde dann darauf hin, sich auch weiterhin des Gotteshauses, des göttlichen Schutzes würdig zu erweisen. Lehrer Stern selbst konnte mit dem Synagogen-Jubiläum sein 25jähriges Ortsjnbilänm begehen. Trotz der Schwere der Zeit hatte es sich die Geuleinde nicht nehmen lassen, ihm ans diesem Anlaß ein ehrendes Geschenk zu überreichen. Aufs tiefste ergriffen dankte er der Gemeinde für alle Zeichen der Liebe und Verehrung. Mit einem Gebete für das weitere Wohlergehen der Gemeinde schloß die erhebende Feier. Mainz. Frau Jeirny Lnck feiert am 27. September ihreii 60. Geburtstag. Aus Mannheim, aris religiösem Hanse stammend, hat Frau Lnck in Mainz ihre zweite Heimat gefunden. Hier hat sie zusammen mit ihrer Schwester Loni Meinert ihr Heim zu einem Mittelpunkt jener Kreise gemacht, die echte Kunst verehren und Sinn für jenen goldenen Humor haben, der aus reichem Wissen und aus der Tiefe des Gemüts entspringt. Frau Lnck hat oft Gelegenheit gehabt, an Abenden des Frauenbundes, vielen unserer Gemeindemitgliedern durch ihre lieöenswürdige Laune des Alltags Sorgen zu' vertreiben. Wir wünschen dem Geburtstagskind, daß es seinen Humor auch in diesen schweren Zeiten behält zur eigenen und zu unserer Freude. Worms. Vor kurzem feierte Herr Julius Rosenthal, früher Kantor der hiesigen isr. Gemeinde seinen 70. Geburtstag. Die überaus große Teilnahme der Gemeindemitglieder zeigte, wie sehr man seine gewissenhafte vieljährige Arbeit im Dienste der Gemeinde zu schätzen wußte. Dereine unb Derbänbe. Das Wintersemester an der unter Leitung des Herrn Gemeinderabbiner Dr. Jakob Hoffmann stehenden Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa" zu Frankfurt a. M. beginnt am Sonntag, den 22. Oktober. Anmeldungen für alle drei Abteilungen (Vorbereitungsklasse, Unter- und Oberstufe) werden schon jetzt entgegengenommen. Der Unterricht erstreckt sich auf: Pentateuch mit Kommentaren biblisches Schrifttum, hebr. Grammatik. Neuhebräisch (Lektüre 111^ Konversation) Mischna und Talmud mit Kommentaren und Dezisoren. Für den Lehrgang in der Vorbereitungsklasse werden schulentlassene Knaben und Jünglinge ausgenommen, die schon einige Borkenntnisse in Mischna und Talmud'besitzen. Anmeldungsgesuche, denen beigesügt sein müssen: kurzer Lebenslauf, Zeugnisse über jüdische Vorbildung und religiöse Lebensführung, sowie Angaben, welcher Betrag für die Kosten des Lebensunterhaltes zur Verfügung steht, sind bis spätestens 26. September an das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa" Frankfurt a. M., Theobaldstraße 6 zu richten, welches zu jeder näheren Auskunft gerne bereit ist. 4**4»»4*’4“ t Bund der jüdischen Arbeitnehmer, Gegr. 1926, Sitz Berlin f f ab 1. August: f ♦ Reichsgeschäftsstelle Berlin N. 54, Brunnenstraße Nr. 7 ck » Ortsgruppen in allen Großstädten, Aufnahme männlicher ck 4 und weiblicher jüdischer Arbeitnehmer aller Berufe. 4 4..4..4..4-4..4..4..4..4..4..4 4..4..4..4..4..4..4..4..4. Buctjcrfctjau. Die am 15. 8. d. I. erschienene Nummer der Zeitschrift des Reichsbnndes jüdischer Frontsoldaten „Der Schild" ist als S 0 n - d e r n u m m e r „Der jüdische Frontsoldat" in verstärktem Umfang erschienen und enthält eine Reihe bisher .unveröffentlichter Dokumente über Leistungen jüdischer Frontsoldaten im Weltkrieg. Zahlreiche I l l u st r a t i 0 n e n begleiten die Aussätze unter denen die Artikel von Fritz Beckhardt über „Jüdische Flieger im Weltkrieg", „Vom Fronterlebnis des jüdischen Deutschen" von Dr. Ernst Fränkel und „Als Freikorpsführer in Oberschlesien" von Oberleutnant d. R. Aloin Lippmann hervorzuheben sind. Besonders bemerkenswert ist der letzte Aussatz, in dem die Beteiligung von Juden an den Kämpfen in Oberschlesien geschildert und 'festgestellt wird, daß der Fahnenträger der Kompagnie Schlag et er ein Jude namens Alfred Badrian aus Königshütte war, der heute als Erwerbsloser in Breslau lebt. — Das Blatt, dem ein Geleitwort des Bnndesvorsitzenden des R. j. F. Dr. Löwenstein mit der 6